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[review] Die Stille meiner Worte | Ava Reed

Buch

All die ungesagten Worte in mir sind Verständnis und Unterverständnis zugleich, sind sind Einsamkeit und Gesellschaft, sie sind mein Gefängnis und meine Freiheit. Sie sind wie Fremde, die mich umarmen, und wie Freunde, die mir den Rücken kehren. Sie sind da und sie können nicht heraus – sie sind wie ich.

Hannah schreibt Briefe an Izzy. Sie liebt Izzy über alles und nun ist Izzy fort. Izzy ist tot und Hannah kann gegen ihre Gefühle nichts machen. Mit Izzy sind auch die Worte gegangen und so wird die 17-jährige Hannah stumm. Hannahs Eltern verzweifeln und melden Hannah schlussendlich in einem Camps an für Jugendliche mit Problemen und gleich dazu in die Schule in St. Anna, eine spezielle Schule für spezielle Jugendliche. Hannah will das alles nicht, fügt sich aber ihrem Schicksal. Nicht ganz, denn sie entführt unerlaubt Izzys Katze mit aufs Camp. Im Camp lernt sie Levi kennen, der als “Gast” mit ist. Levi versucht Hannah zum Sprechen zu bringen und erfährt, ohne dass Hannah spricht, nach und nach das tragische Schicksal von Izzy…

Autorin

Ava Reed (*1987) heißt eigentlich Sabrina und ist Lehrerin für Geschichte und katholische Religion für Haupt- und Realschulen. Sabrina lebt mit ihrem Freund in Frankfurt am Main und ist vielen Menschen als Buchbloggerin bekannt. Unter ihrem Pseudonym hat sie mehrere Bücher veröffentlicht, die Stille meiner Worte ist dieses Jahr im März erschienen.

Ansicht

Was liest man so als leichte Sommerlektüre? Ein Buch, das auf dem Cover eine Frau und eine Katze zeigt. So schnell ist man gefangen, als Crazy Cat Lady und einem Cover mit einer meiner Lieblingsfarben. Und wenn jemand, so wie Hannah Briefe schreibt und verbrennt, klingt das auch gut. Punkt an die Autorin: Eine Geschichte zu erzählen, in der die Protagonistin nicht redet und sich die Geschichte, aber um ebenjene dreht, ist schon ein ziemlich guter Clou.  Der Schreibstil ist emotional und packend, einfach geschrieben, mehr auf die Gedankenwelt abzielend als auf die äußere. Fairerweise muss man sagen, dass ich das Buch nicht gelesen hätte, wenn ich gewusst hätte, dass ein Jugendcamp vorkommt. Davon wollte ich eigentlich Pause machen. Zudem gibt es für mich entgegen anderer Rezensionen doch Kritikpunkte: Achtung! Spoiler! Levi bringt Hannah eines Tages doch noch zum Reden. Schön für die Geschichte, aber: Es enthält wieder dieses Beschützer und Prinzprinzip. Ich hätte es viel cooler gefunden, wenn eine ihrer Freundinnen zuerst das Vergnügen gehabt hätte. Wenn man ein Buch über den Tod schreibt, würde ich mir wünschen, dass der theoretische Background subliminal zu spüren ist. Der Schock wird am Anfang noch beschrieben, dann widmet sich das Buch fast bis zum Schluss nur dem Gefühlschaos. Das Sich-Trennen und Suchen kommt leider nicht vor. Die Neuorientierung wird relative schnell abgegolten. Besonders die Neuorientierung, die ein großer Kampf ist und Rückschläge enthält, hätte dem Buch gut getan. Aus meiner beruflichen Erfahrung sprechend: Hannah hätte in diesem Buch wohl mit ihrem Mutismus eine amublante Behandlung bekommen. Schulen, wie hier das beschriebene St. Anna, sind für gewöhnlicherweise an einer Kinder- und Jugendpsychatrie angeschlossen. Es gibt optional private Ersatzschulen, die jedoch maximal den Realabschluss ermöglichen. So tief und ergreifend die Geschichte geschrieben wurde, muss man eines dabei mitbedenken: Orte wie St. Anna sind alles andere als reizvoll. Aber es wäre reizvoll gewesen,wenn man diese Recherche eingebaut hätte sehen können. Aber: Es ist ein Jugendbuch. Es könnte mehr leisten, muss es aber auch nicht.  Das Buch leistet trotzdem einen guten Beitrag mit seinen Briefen im Buch und der Ausgestaltung der Charaktere.

Information

Die Stille meiner Worte
Ava Reed
ueberreuter
320 Seiten, gebundene Ausgabe: 17.50€