• Projekt [txt]

    [txt] Nein.

    Eigentlich müsse sie es schon wissen, dass er immer “Nein” zu ihr sagen würde. Das “Nein” hat sich in seinen Augen festgekrallt, wie eine Katze in Todesangst, wenn sie droht von einer Klippe zu stürzen. Er hat Angst vor ihr, zeigt es ihr mit Gleichgültigkeit. Neben dem “Nein” steht immer ein “Du bist mir egal” im Regal. Seine Buchreihen sind voller Bücher mit Ablehnung gefüllt. Seine liebste Abteilung ist mittlerweile die “Literatur für etwaige Jobangebote im Ausland” geworden. Die präsentiert er ihr ganz gerne, Buch für Buch. Möglichkeiten in der Zukunft, die er so sieht, und wo man sich so als junger Mann in seinen anfänglichen Dreißigern so sehen kann.…

  • Projekt [txt]

    [txt] Phantomschmerz.

    Neue Lebenswege gehen. Alles ganz einfach, hat P. gesagt. Man braucht bloß seine Gewohnheiten ändern, vielleicht in eine andere Wohnung ziehen, neue Hobbys finden, alles ganz leicht.  Oder einfach mal ans Meer fahren oder an einen See. Dann ist das alles gar nicht so schlimm. Man kann auch gleich seine Essgewohnheiten ändern, das täte ihr ganz bestimmt gut, hat P. dann noch gemeint. Man lebt jetzt in einem Optimierungszeitalter und sie müsse sich auch langsam anpassen lernen, sie wolle ja nicht zurückbleiben und sie hat sich schon zu lange gehen lassen. Eigentlich ist sie ja schon selbst schuld an ihrer Lage, sie hat ja das Falsche studiert, wenn man etwas…

  • Projekt [txt]

    [txt] radikal

    Die Bausteine in ihrem Gesicht ordnen sich um wenn sie unbeobachtet ist ganz radikal traurig und mutlos ihre Mundwinkel sind Unteroffiziere die auf Kommando hören links zwo, drei, wirr Die Haare auf den Barrikaden schauen dazu noch nach nächtelangen Kämpfen aus ganz besiegt erschlagen und ausgeraubt ihre Hände sind Sternwunden die sich senken mürbe, klein, bedarft Die Zigaretten in der Visage sehen so nach rauchenden Blumenansteckern aus ganz tief wütend und rastlos ihre Augenhöhlen sind Minen die jederzeit explodieren Achtung, weg, jetzt   Bildnachweis.

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  • Projekt [txt]

    [txt] grenzenlos.

    Immer, wenn ich vorbei an den drei Kiefern laufe, den weißen Schotter betrete, der von der Wärme des Tages aufgewärmt ist, dann denke ich daran: Bald ist Glück. 47 Stufen bis Glück. Ich habe das Glück seit 8 Jahren nicht mehr besucht. Das Glück war immer nur zu zweit möglich. Im Sommer, in der Augusthitze, die von Gewittern und Kaltfronten geschwängert war, vom Schatten, der nachmittags um vier Uhr hereinbrach, weil die Berge viel zu hoch und die Seen viel zu tief waren. Sie wusste das Glück zu schätzen, welches zwischen den Kiefern vor und hinter dem Haus, von den Platanen im Vorgarten und den Rosensträuchern, die den Weg zäumten,…

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  • Projekt [txt]

    [txt] unendlich.

    Sie ist ein Rätsel in sechs Silben, ein Baum der Selbsterkenntnis. Viel leichter geht das Distanzieren, als das Ertragen, dass der Zustand von etwas nur ein bisschen ist, kaum merkbar, womöglich Einbildung. Die Nächte drücken auf den Kopf, ein ganzer Antlantik oberhalb der Nase und des Jochbeins. Sie will ihm nicht, kann ihm nicht schreiben. Sie ist mutig und wartet. Sie will sehen, was kommt. Vielleicht das Einsehen oder die Bestürznis. Er ist die Akropolis und kein Weltwunder. Sie ist der Leuchtturm von Alexandria. Seinem Erdbeben zum Opfer gefallen. Sie sendet noch Licht aus, in den dunkeln Nächten. Er schweigt, er will stehen und bestaunt werden, in seiner Nichtigkeit, die…

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  • Buchrezensionen,  Reviews

    [review] Einfach unvergesslich | Rowan Coleman

    Das Buch Greg sieht mich an und glaubt, dass ich es nicht merke. Ich, damit ist Claire gemeint. Claire wohnt mit ihrem Ehemann Greg und ihren Töchtern Caitlin und Esther in einer britischen Kleinstadt. Und es wäre ein ziemlich angenehmes Leben, wenn da nicht ihre Krankheit wäre, die sie von ihrem Vater geerbt hat: frühmanifester Alzheimer, mit dem sie ihre Familie Schritt für Schritt vergisst. Und nicht nur das: Claire haut ab und an mal ab, unauffindbar und weiß nicht, wo sie sich befindet. Doch sie begegnet Ryan, in den sie sich langsam verknallt… Als wäre das noch nicht genug Chaos, muss auch Caitlin sich auf die Suche nach ihrer…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Anfang.

    Er setzt sich auf ihren Lippenrand, damit er aufhört sich zu kräuseln, damit er still ist, damit er nicht immer das Leid predigen muss, das ihm widerfahren ist. “Sei still” zischt er zwischen ihren Zähnen hindurch, sie war still, nur in Gedanken nicht, da war sie nie still. Sie war immer laut und wird immer laut bleiben. Sie beißt zurück, eine Farce, ihre Lippen sind ohnehin schon wie alte Lumpen zerschlissen, die Hautfetzen hängen herab, er lässt sie trotzdem nicht los. Sie setzt sich auf ihn, genauso leise wie ihr sensibles Tastorgan im Gesicht. Ihr Gewicht will sagen: Das ist alles, was ich dir geben kann. Eine Möglichkeit, ein Anfang.…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Kitsch me if you can.

    Ein Buch legt neben mir im Bett. Heute hat es geschneit bis in das Buch hinein, ich sehe die Flocken zwischen den Seiten. Seitenweise erzählt es, ein Reisetagebuch, es wäre unsere fünfte gewesen. Reise. Zwischen den Schneeflocken und auf der Autobahn zwischen den Autos, die Winterorte und Schneelandschaften besuchen, zwischen den Bergen und Tallandschaften, die sich in die Länge ziehen. Ich wäre wie ein Kind im Auto gesessen, und hätte gejubelt, weil es auf die Autoscheibe schneit, dicke Flocken,sie werden weggewischt, es kommen neue, neue Flocken, die Welt sieht mit Schnee viel schöner aus. Ich sehe Mundwinkeln, die nach oben geben wegen des Schnees, es sind nicht meine.   Damals sind…

  • Poetik

    Lyricboy.

    Du bist das Licht zwischen den Häuserzeilen die Temperatur zwischen meinen Beinen das Fadenscheinige im Soprankoloratur hab dich verkostet ausstudiert alle deine Farben im Spätherbst ausprobiert dich auf Leinwände geschmissen und auf Papier gedruckt dazwischen Bleistifte verwüstet und geblockt ausgeschrieben weggetrieben dich vor meiner Wortgewalt zwischen Satz und Frage Punkt und Strick angedockt du bist Herbstnacht ins Mark gesunken dich verstrickt befehligt, verwüstet in Notizen festgekettet dich laufen lassen und mit Tinte eingefangen hie und da da verläufst du dich in einem wortgetränkten Tau.   Bildnachweis.

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  • Allgemein,  Projekt [Sterbenswörtchen]

    [Sterbenswörtchen]: Emma denkt.

    Wer sind diese großartigen Autor/-innen, die hie und da ein Sterbenswörtchen verlieren?  Soviel sei gesagt: ihr Lebensmotto ist “Emotionen sind Herdentiere”. Sie hat schöne Emotionen, die Michèle von Emma denkt. Regelmäßig lässt sie anteilhaben über die Liebe, das Leben, Halbwahrheiten, frei erfunden und doch vom wahren Leben erzählend. Täglich postet Emma denkt neue Texte hier auf Facebook. Im Dezember 2015 erschien das Buch »Emma denkt. – Emotionen sind Herdentiere. Eine Auswahl gesammelter Texte« in Eigenregie als limitierte Kleinauflage war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und auch die Zweitauflage war alsbald vergriffen. Emma arbeitet gerade an ihrem zweiten Buch. Trotz der vielen Arbeit hat Michèle die Zeit gefunden, mir meine Fragen zu beantworten: Was bedeutet der…

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