• Buchrezensionen,  Reviews

    [review] Klartraum | Olga Flor

    Das Buch Die Scherben habe ich liegen lassen an der Dreifachkreuzung. Vorher noch sehe ich dem Mann nach, dem ich das alles zu verdanken habe. Erste Sätze dieses Buches. Es sind immer wieder erste Sätze. Stell dir vor, du hast die Liebe deines Lebens gefunden, obwohl du dachtest, du hattest sie schon gefunden. Stell dir auch vor, dass du von Anfang an weißt, dass diese Verbindung zum Scheitern verurteilt ist.  Zwei Personen sind es, die dieses Buch tragen: P. und A., Protagonistin und Antagonist. Dazwischen C. und G. , ein Religionswissenschaftler und die Post. Man leidet so sehr mit P., dass man am liebsten bei jeder der vielen Trennungen mitweinen…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Anfang.

    Er setzt sich auf ihren Lippenrand, damit er aufhört sich zu kräuseln, damit er still ist, damit er nicht immer das Leid predigen muss, das ihm widerfahren ist. “Sei still” zischt er zwischen ihren Zähnen hindurch, sie war still, nur in Gedanken nicht, da war sie nie still. Sie war immer laut und wird immer laut bleiben. Sie beißt zurück, eine Farce, ihre Lippen sind ohnehin schon wie alte Lumpen zerschlissen, die Hautfetzen hängen herab, er lässt sie trotzdem nicht los. Sie setzt sich auf ihn, genauso leise wie ihr sensibles Tastorgan im Gesicht. Ihr Gewicht will sagen: Das ist alles, was ich dir geben kann. Eine Möglichkeit, ein Anfang.…

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  • Allgemein,  In eigener Sache

    Ein ganz und gar erbauliches Jahr.

    Es wird eigentlich kein Jahresrückblick, es ist eine Abrechnung von den Summen und Unsummen, die man während eines Jahres ausgibt und erledigt. Dieses Jahr stelle ich ebenso die Betrebungen vor – was man lernen und machen will. Ein Tanz um 365 Tage. // private things Ich habe das Jahr erneut versucht Plastikmüll zu vermeiden, und es ist mir weitestgehend gelungen. Hie und da habe ich noch Plastiktüten bekommen bei Kleidung, sonst hatte ich häufig Tasche und Korb mit. Schwer finde ich Müllvermeidung im Lebensmittelbereich, da ich an meinem Wohnort keinen Store oder Supermarkt habe, der Lebensmittel ohne Verpackung verkauft. Ich hoffe, dass sich das die kommende Jahre noch ändern wird.…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Kitsch me if you can.

    Ein Buch legt neben mir im Bett. Heute hat es geschneit bis in das Buch hinein, ich sehe die Flocken zwischen den Seiten. Seitenweise erzählt es, ein Reisetagebuch, es wäre unsere fünfte gewesen. Reise. Zwischen den Schneeflocken und auf der Autobahn zwischen den Autos, die Winterorte und Schneelandschaften besuchen, zwischen den Bergen und Tallandschaften, die sich in die Länge ziehen. Ich wäre wie ein Kind im Auto gesessen, und hätte gejubelt, weil es auf die Autoscheibe schneit, dicke Flocken,sie werden weggewischt, es kommen neue, neue Flocken, die Welt sieht mit Schnee viel schöner aus. Ich sehe Mundwinkeln, die nach oben geben wegen des Schnees, es sind nicht meine.   Damals sind…

  • Poetik

    Lyricboy.

    Du bist das Licht zwischen den Häuserzeilen die Temperatur zwischen meinen Beinen das Fadenscheinige im Soprankoloratur hab dich verkostet ausstudiert alle deine Farben im Spätherbst ausprobiert dich auf Leinwände geschmissen und auf Papier gedruckt dazwischen Bleistifte verwüstet und geblockt ausgeschrieben weggetrieben dich vor meiner Wortgewalt zwischen Satz und Frage Punkt und Strick angedockt du bist Herbstnacht ins Mark gesunken dich verstrickt befehligt, verwüstet in Notizen festgekettet dich laufen lassen und mit Tinte eingefangen hie und da da verläufst du dich in einem wortgetränkten Tau.   Bildnachweis.

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  • Poetik

    Lächerlichkeitstode.

    Wir kleben zusammen wie loses Papier meine Verbindungsanfrage war zu komplex die hast du nicht verarbeiten können möglicherweise waren da zuviele Via-Stationen es kostet schon extrem viel Mut dir den sozialen Lächerlichkeitstod zu ersparen meine Kassen klingen nicht mehr ich hab da ein Loch dass du mir rausreißt wenn du sagst du gehst du gehörst auch nicht an das lose Meer aber ich bin lieber kaputt als getrennt von deinem Trotteldasein und kleb mich zusammen mit Kleister aus Tee     Bildnachweis.

  • Projekt [txt]

    [txt] abgehen.

    Hast du etwas Zeit mein Kompass zeigt nur mehr deine Richtung ich hab meine Orientierung längst schon veloren die Sonne geht mittlerweile schon im Westen auf aber was weiß man schon wenn deine Köpfe doppelt denken Ich brauch deinen moralischen Kompass die Tage nochmal und du sagst mir den hab ich verlegt gehen wir ihn suchen und da reichen keine paar Tage das dauert länger gemeinsam oder so Und schau ich durch Rotweingläserränder dann sag ich mir alles was du kannst ist mir abgehen und das schweig ich mir zwischen die kaputten Kniekehlen Nordsüdgefälle zwischen uns.   Bildnachweis.

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  • Poetik

    Alternativprogramm.

    in zwei, drei Museen gehen oder unsere Geister zählen Chutney, Marmelade kochen und zur emotionalen Befreiung ein,zwei gute Folgen unserer Lieblingsserie sehen die Praterallee auf und ab marschieren und das laub zertanzen den Sturm begrüßen und vier, fünf Gläser trinken Suppe kochen, letzte Strahlen zählen und sieben, acht Sommersprossen verschwinden sehen erste weiße Haare zählen und Hügel mit Schritten verformen neun, zehn Fotos machen vielleicht auch raus zu den Seelenlosen gehen auf jeden Fall neue Bücherläden gucken ein Dutzend Tee in sich hineinfüllen und sich in den Armen statt in den Haaren liegen     Bildnachweis.

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  • In eigener Sache

    Objekt und Frau.

    Objekt und Frau. Was mehr nach Kunstausstellung klingt, ist das Resultat nach längeren Diskussionen dieser Woche. Häufig lese ich Kurzgeschichten und anderweitige Prosa von Freund/-innen, Bekannten und anderen literaturbegeisterten Menschen. Was mir besonders in letzter Zeit aufgefallen ist, ist das Selbstbild, das sich in den Texten wiederfinden lässt und die gesonderte Zeichnung eines “Lyrischen Du”. Kurzum – recht begeistert war ich von der Zeichnung des “Lyrischen Du” nicht, zumal es häufig zu einer Objektifizierung gekommen war. Ganz so schlimm wie in der US-Serie “Mad Men” kann dieser Objektifizierungsgrad nicht angegeben werden, aber er hinterlässt selbst in jungen Autor/-innen immer noch unüberlegte Gender Bias. Dies ist vor allem dann schmerzlich für…

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  • Prosa

    With a little help from my friends.

    Ich weiß noch, wir sind im Auto gesessen und haben die Beatles gehört. Es ist nicht die Musik unserer Generation, wir hören sie trotzdem. Wir kennen die Lieder von unseren Eltern, sie schätzten sie nie so sehr wie wir. Deine Finger trommeln leise am Lenkrad mit, du wusstest nicht, dass es eine Twist&Shout Version von den Beatles gibt. Ich erzähle dir,dass John Lennon das Lied mit Heiserkeit eingesungen hat und deshalb seine Stimme tiefer klang. Es interessiert dich nur mäßig,du singst lieber falsch mit. Wir sind unterwegs, irgendwo hin und ich wünschte, dieses unterwegs sein endet nie. Long and windy road könnten wir hören, aber es würde uns zu melancholisch…