• Projekt [txt]

    [txt] Phantomschmerz.

    Neue Lebenswege gehen. Alles ganz einfach, hat P. gesagt. Man braucht bloß seine Gewohnheiten ändern, vielleicht in eine andere Wohnung ziehen, neue Hobbys finden, alles ganz leicht.  Oder einfach mal ans Meer fahren oder an einen See. Dann ist das alles gar nicht so schlimm. Man kann auch gleich seine Essgewohnheiten ändern, das täte ihr ganz bestimmt gut, hat P. dann noch gemeint. Man lebt jetzt in einem Optimierungszeitalter und sie müsse sich auch langsam anpassen lernen, sie wolle ja nicht zurückbleiben und sie hat sich schon zu lange gehen lassen. Eigentlich ist sie ja schon selbst schuld an ihrer Lage, sie hat ja das Falsche studiert, wenn man etwas…

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  • Filmrezensionen

    [review] Finding your feet.

    Der Film Da ist Sandra und die hat eigentlich ein schönes Leben. Eigentlich. Sie erfährt  bei ihrer Pensionierungsfeier, dass ihr Leben eine Bruchbude ist, gefühlt, weil ihr Mann sie nach Strich und Faden betrügt. Gut, dass Sandra eine Schwester hat, zu der sie kurzfristig kann. Elizabeth, kurz Bif, lässt ihre Schwester nicht im Stich. Die Schwester nähern sich langsam einander an, nachdem sie sich solange nicht gesehen haben. Hilfreich ist da vor allem der Tanzkurs von Bif, bei dem Sandra auch Bif’s Freunde Charlie, Jackie und Ted kennenlernt. Sandra lernt, dass Rente nicht unbedingt Ende heißt, sondern der Beginn von etwas großem Neuen sein kann… Der Regisseur Richard Loncraine (*1946…

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  • In eigener Sache

    Liste, erweiterbar.

    Letzte Nacht haben M. und ich überlegt, welche Gefühle uns das Leben schöner machen, wir haben eine Liste erstellt, die ich niemanden vorenthalten mag, weil sie so klein und doch so groß ist. Sie hat in uns ein Gefühl von Zufriedenheit hinterlassen und wir sind recht glücklich und im Wissen darüber, dass unsere Top10 Gefühle-Liste beliebig erweiterbar ist, aber uns auch schon so recht glücklich macht, eingeschlafen. Das hier ist unsere Liste (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, M. wollte eine andere Reihung als ich und so haben wir schlussendlich jene genommen, die wir niedergeschrieben haben): 1 // Das Gefühl, das nichts wehtut Ja, das ist ein verdammt gutes Gefühl. Dass…

  • Buchrezensionen

    [review] Lieben muss man unfrisiert | Nadine Kegele

    Das Buch Das ist sowieso etwas, dass ich nicht mehr mache: mit Männern, die nicht mindestens ein Buch über Emanzipation gelesen haben, über Emanzipation zu reden. Ich habe Jahrzehnte damit verschwendet, mit im Grunde unreflektierten Männern zu diskutieren. (Roxanna, 56) Roxanna und 18 weitere Frauen/Transgender wurden für das Buch interviewt. Ein literarisches Protokoll, dass sich mit Freiheit, Gleichberechtigung und Feminismus auseinandersetzt. Sie sprechen über Rollenbilder, ihre Schwangerschaften, ihre Familienkonstellationen, ihre Vergangenheit und über ihre Träume. Ein höchst heterogenes Bild entsteht, wenn die Autorin Nadine Kegele Personen von Spanien bis Berlin interviewt, von 17 bis 92.  Frauen/Transgender, die unterschiedlicher nicht sein könnten: eine Tänzerin mit besonderen Bedürfnissen, junge Mädchen, Filmemacherin, studentische…

  • Projekt [txt]

    [txt] unendlich.

    Sie ist ein Rätsel in sechs Silben, ein Baum der Selbsterkenntnis. Viel leichter geht das Distanzieren, als das Ertragen, dass der Zustand von etwas nur ein bisschen ist, kaum merkbar, womöglich Einbildung. Die Nächte drücken auf den Kopf, ein ganzer Antlantik oberhalb der Nase und des Jochbeins. Sie will ihm nicht, kann ihm nicht schreiben. Sie ist mutig und wartet. Sie will sehen, was kommt. Vielleicht das Einsehen oder die Bestürznis. Er ist die Akropolis und kein Weltwunder. Sie ist der Leuchtturm von Alexandria. Seinem Erdbeben zum Opfer gefallen. Sie sendet noch Licht aus, in den dunkeln Nächten. Er schweigt, er will stehen und bestaunt werden, in seiner Nichtigkeit, die…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Anfang.

    Er setzt sich auf ihren Lippenrand, damit er aufhört sich zu kräuseln, damit er still ist, damit er nicht immer das Leid predigen muss, das ihm widerfahren ist. “Sei still” zischt er zwischen ihren Zähnen hindurch, sie war still, nur in Gedanken nicht, da war sie nie still. Sie war immer laut und wird immer laut bleiben. Sie beißt zurück, eine Farce, ihre Lippen sind ohnehin schon wie alte Lumpen zerschlissen, die Hautfetzen hängen herab, er lässt sie trotzdem nicht los. Sie setzt sich auf ihn, genauso leise wie ihr sensibles Tastorgan im Gesicht. Ihr Gewicht will sagen: Das ist alles, was ich dir geben kann. Eine Möglichkeit, ein Anfang.…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Kitsch me if you can.

    Ein Buch legt neben mir im Bett. Heute hat es geschneit bis in das Buch hinein, ich sehe die Flocken zwischen den Seiten. Seitenweise erzählt es, ein Reisetagebuch, es wäre unsere fünfte gewesen. Reise. Zwischen den Schneeflocken und auf der Autobahn zwischen den Autos, die Winterorte und Schneelandschaften besuchen, zwischen den Bergen und Tallandschaften, die sich in die Länge ziehen. Ich wäre wie ein Kind im Auto gesessen, und hätte gejubelt, weil es auf die Autoscheibe schneit, dicke Flocken,sie werden weggewischt, es kommen neue, neue Flocken, die Welt sieht mit Schnee viel schöner aus. Ich sehe Mundwinkeln, die nach oben geben wegen des Schnees, es sind nicht meine.   Damals sind…

  • Prosa

    With a little help from my friends.

    Ich weiß noch, wir sind im Auto gesessen und haben die Beatles gehört. Es ist nicht die Musik unserer Generation, wir hören sie trotzdem. Wir kennen die Lieder von unseren Eltern, sie schätzten sie nie so sehr wie wir. Deine Finger trommeln leise am Lenkrad mit, du wusstest nicht, dass es eine Twist&Shout Version von den Beatles gibt. Ich erzähle dir,dass John Lennon das Lied mit Heiserkeit eingesungen hat und deshalb seine Stimme tiefer klang. Es interessiert dich nur mäßig,du singst lieber falsch mit. Wir sind unterwegs, irgendwo hin und ich wünschte, dieses unterwegs sein endet nie. Long and windy road könnten wir hören, aber es würde uns zu melancholisch…

  • Prosa

    Kollektivsplitter.

    “Jetzt hast du, was du wolltest, nicht?” “Nein, so kann ich das nicht.” “Du kannst sehr wohl, du willst nur nicht” “Ich kann DAS wirklich nicht, verstehst du denn nicht?” “Ich bin mir sicher, dass du einfach nicht willst.” “Schön, dann werd ich jetzt wollen wie du willst.” “Aber ich will das auch nicht so.” Betretenes Schweigen breitete sich auf dem quadratischen Tisch im Abendgewimmel aus. Es war früh, und doch zu spät, niemand beachtete die beiden, es war eigentlich zu kalt, um jetzt noch im Café  bei offenen Türen zu sitzen, aber dem Frühling zollt man Respekt. Sie fuhr sich durch ihre zerzausten Haare, ihren Cardigan zog sie weiter…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Fernweh.

    All diese deine Fehler und die Suche nach dem Meer bloß deine Ohren rauschen wie wenig außer einer Vorstellung und durchgelatschten Schuhen bleibt. Deine Arme sind so lang du umarmst regelrecht die Welt ich wünschte du würdest davon erzählen wie du die Strecken zu mir aus den Gleisen reißt. All deine Trauersprache packst du in einen Lederkoffer heute lässt du dir neben Bart auch ein Schweigen stehen und läutest bei meiner Tür. Dein Fernweh hört nur auf wenn du zwischen meinen Beinen liegst und mir Seite um Seite ein Stück von deiner Welt in meine Öffnungen füllst. Jedes Mal, wenn ich an dich denke entsteht in mir ein neues Loch…

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