• Projekt [txt]

    [txt] Phantomschmerz.

    Neue Lebenswege gehen. Alles ganz einfach, hat P. gesagt. Man braucht bloß seine Gewohnheiten ändern, vielleicht in eine andere Wohnung ziehen, neue Hobbys finden, alles ganz leicht.  Oder einfach mal ans Meer fahren oder an einen See. Dann ist das alles gar nicht so schlimm. Man kann auch gleich seine Essgewohnheiten ändern, das täte ihr ganz bestimmt gut, hat P. dann noch gemeint. Man lebt jetzt in einem Optimierungszeitalter und sie müsse sich auch langsam anpassen lernen, sie wolle ja nicht zurückbleiben und sie hat sich schon zu lange gehen lassen. Eigentlich ist sie ja schon selbst schuld an ihrer Lage, sie hat ja das Falsche studiert, wenn man etwas…

  • Projekt [txt]

    [txt] radikal

    Die Bausteine in ihrem Gesicht ordnen sich um wenn sie unbeobachtet ist ganz radikal traurig und mutlos ihre Mundwinkel sind Unteroffiziere die auf Kommando hören links zwo, drei, wirr Die Haare auf den Barrikaden schauen dazu noch nach nächtelangen Kämpfen aus ganz besiegt erschlagen und ausgeraubt ihre Hände sind Sternwunden die sich senken mürbe, klein, bedarft Die Zigaretten in der Visage sehen so nach rauchenden Blumenansteckern aus ganz tief wütend und rastlos ihre Augenhöhlen sind Minen die jederzeit explodieren Achtung, weg, jetzt   Bildnachweis.

    Kommentare deaktiviert für [txt] radikal
  • In eigener Sache

    Eine Geschichte der Leere.

    Manche Geschichten mag man erzählen. Zu anderen will man schweigen. Weil Schweigen der Triumph des Scheiterns ist. Schweigen als letzte Möglichkeit, Erinnerungen erträglich zu machen. Weil Scheitern manchmal auch sexy ist. Und gute Bilder hat. Bilder der Leere, wenn man sie titulieren müsste. Ein leises “J’existe”, ich existiere. Festzuhalten in Bilder, damit die Erinnerung nicht erblasst.

  • Projekt [txt]

    [txt] Kitsch me if you can.

    Ein Buch legt neben mir im Bett. Heute hat es geschneit bis in das Buch hinein, ich sehe die Flocken zwischen den Seiten. Seitenweise erzählt es, ein Reisetagebuch, es wäre unsere fünfte gewesen. Reise. Zwischen den Schneeflocken und auf der Autobahn zwischen den Autos, die Winterorte und Schneelandschaften besuchen, zwischen den Bergen und Tallandschaften, die sich in die Länge ziehen. Ich wäre wie ein Kind im Auto gesessen, und hätte gejubelt, weil es auf die Autoscheibe schneit, dicke Flocken,sie werden weggewischt, es kommen neue, neue Flocken, die Welt sieht mit Schnee viel schöner aus. Ich sehe Mundwinkeln, die nach oben geben wegen des Schnees, es sind nicht meine.   Damals sind…

  • Poetik

    Lächerlichkeitstode.

    Wir kleben zusammen wie loses Papier meine Verbindungsanfrage war zu komplex die hast du nicht verarbeiten können möglicherweise waren da zuviele Via-Stationen es kostet schon extrem viel Mut dir den sozialen Lächerlichkeitstod zu ersparen meine Kassen klingen nicht mehr ich hab da ein Loch dass du mir rausreißt wenn du sagst du gehst du gehörst auch nicht an das lose Meer aber ich bin lieber kaputt als getrennt von deinem Trotteldasein und kleb mich zusammen mit Kleister aus Tee     Bildnachweis.

  • Reviews

    [Review] Ihre beste Stunde

    Wie schreibt man eigentlich eine Geschichte, die historischen Kern haben soll, den Glamour von damals versprüht und doch gegenwärtige Gefühle ansprechen möchte? Eindeutig gelungen ist das Gemma Arterton, die für den Film “Ihre beste Stunde” vom Bond-Girl zur Filmautorin avancierte. Catrine Cole wird von Kriegswirren und Liebeslust nach London getrieben, wo sie mit dem Künstler Alice, welcher im spanischen Bürgerkrieg verwundet wurde, ein Leben in einem heruntergekommenen Atelier fristet. Alice möchte Catrine aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten zurückschicken in das kleine Dorf, aus dem sie gekommen ist, doch sie beschließt zu handeln: Im Informationsministerium soll Cole offiziell als Sekretärin arbeiten, inoffiziell den “slob” (zu Deutsch: Schmalz) für Filme schreiben, um die…

    Kommentare deaktiviert für [Review] Ihre beste Stunde
  • Prosa

    Kollektivsplitter.

    “Jetzt hast du, was du wolltest, nicht?” “Nein, so kann ich das nicht.” “Du kannst sehr wohl, du willst nur nicht” “Ich kann DAS wirklich nicht, verstehst du denn nicht?” “Ich bin mir sicher, dass du einfach nicht willst.” “Schön, dann werd ich jetzt wollen wie du willst.” “Aber ich will das auch nicht so.” Betretenes Schweigen breitete sich auf dem quadratischen Tisch im Abendgewimmel aus. Es war früh, und doch zu spät, niemand beachtete die beiden, es war eigentlich zu kalt, um jetzt noch im Café  bei offenen Türen zu sitzen, aber dem Frühling zollt man Respekt. Sie fuhr sich durch ihre zerzausten Haare, ihren Cardigan zog sie weiter…

    Kommentare deaktiviert für Kollektivsplitter.
  • Projekt [txt]

    [txt] Fernweh.

    All diese deine Fehler und die Suche nach dem Meer bloß deine Ohren rauschen wie wenig außer einer Vorstellung und durchgelatschten Schuhen bleibt. Deine Arme sind so lang du umarmst regelrecht die Welt ich wünschte du würdest davon erzählen wie du die Strecken zu mir aus den Gleisen reißt. All deine Trauersprache packst du in einen Lederkoffer heute lässt du dir neben Bart auch ein Schweigen stehen und läutest bei meiner Tür. Dein Fernweh hört nur auf wenn du zwischen meinen Beinen liegst und mir Seite um Seite ein Stück von deiner Welt in meine Öffnungen füllst. Jedes Mal, wenn ich an dich denke entsteht in mir ein neues Loch…

    Kommentare deaktiviert für [txt] Fernweh.
  • Allgemein,  Prosa

    Bermudadreieck.

    Es ist wieder einer dieser Tage. Dieser Tag, wo man die Augen nicht mehr aufmachen will, im Bett liegen bleiben, die Arme über den Kopf verschränken und in dieses Bermudadreieck aus Armen, Kopf und Kissen weinen möchte. Wenn ich die Augen aufmache, bist du genauso wenig da wie die Tage zuvor. Du bist woanders, nicht weit weg von mir, und doch unerreichbar. Ich mag die Augen, nicht mehr aufmachen. Ich will mir nicht mehr darüber Gedanken machen, wo du jetzt bist, wenn du nicht da bist. Ich mag, dass du hier neben mir auf der rechten Seite liegst, schlafend, in deiner schlafenden Zuversicht, dass morgen auch noch ein Tag ist,…

    Kommentare deaktiviert für Bermudadreieck.
  • Poetik

    Fuchs | Möwe | Ungetier.

    Wäre ich ein Fuchs, wärst du die Möwe, lieb ich den Wald, dann du die Höhe du bist so laut und brüllst hernieder deine theoriegewordenen unbiegsamen Überflieger Wäre ich ein Schaf wärst du der Löwe bin ich leise brüllst du Gelöbe von Schmerz und Pein und schreist hinein deine Unvernunft ganz kochend rein. Wäre ich ein Elefant und du die Eule bin ich traurig auf meine ganz eigene Weise Trauer mein Ungetier trampelt dich tot deine Bäume sterben du kennst die Not. Wär ich ein Wolf wärst du Fisch greife reißerisch und du um mich all die Wut in mir verletzt dich du Schuppentier ich transformatives Ungetier. Bildnachweis

    Kommentare deaktiviert für Fuchs | Möwe | Ungetier.