• Prosa

    Hundertsechsundzwanzig Stunden.

    Wenn du weg bist, sieht alles verwaschen aus. Die Wohnung, in der wir leben, der Himmel, wie ein Himmel von Manet, wie rote Frauen von Garache. Da ist diese, deine braune Tasche auf dem Bett, ein Teller voller Krümel, deine Schuhe. Da ist dein Durst letzter Nacht noch sichtbar, eine ausgetrunkene Wasserflasche, womöglich eine zweite unter dem Bett. Da ist das Fenster, das von letzter Nacht erzählt, als man betrunkene Jugendliche vorbeilaufen hörte und um vier Uhr morgens die Müllabfuhr. Da ist irgendwo über, unter, neben dir Musik aus den Neunzigern, die jeder kennt und niemand mehr hört. Halbschlaf, tiefer Schlaf, Viertelschlaf, auf der einen und der anderen Seiten, ein…

    Kommentare deaktiviert für Hundertsechsundzwanzig Stunden.
  • Poetik

    Shorties.

    1 // In mir boxt ein scheiß verdammtes Lied zwischen Wirbeln und Rippen Als ob es das schon länger gibt komm mit mir zum Abgrund 2// Und ich sag dir die Hölle da unten ist auch bunt oder fliegen wir ins Firmament wie zwei Silbermöwen siehs als leises Kompliment 3// Ich bin unentwegt traurig, die Nacht legt sich zu mir wenn es dunkelblau ist Und doch – jeden Morgen lässt sie mich allein. 4// Ich hab alte Fotos von dir gerade angesehen, du bist mehr geworden, nicht unbedingt für mich. Wir haben uns aneinander abgearbeitet. 5// Als wär es wichtig dass man mit sich selbst etwas mehr im Einklang steht…

    Kommentare deaktiviert für Shorties.
  • Allgemein,  Projekt [Parablüh]

    Meine Zeit mit Sylvia.

    Ich habe mich jetzt 2 Monate mit der Literatur von Sylvia Plath in Verbindung mit der Lyrik von Cornelia Travnicek auseinandergesetzt. Drei Tage vor Schluss möchte ich die Zeit etwas nutzen, über Plath und intensiver Lyrikauseinandersetzung zu resümieren. Das meiste davon habe ich aus Zeitgründen nicht hier, sondern bei lovelybooks.de geschrieben, welches hier nachzulesen ist. Die zwei Monate haben mir manchmal gut getan, manchmal weniger. Mir hat es gut getan, Lyrikstrukturen beider Autorinnen anzusehen, die Machart von Gedichten näher zu beleuchten, das Lyrikhandwerk näher zu erfahren und davon zu lernen. Ich habe gute Metaphern gelesen, gute Vergleiche, gute Personifikationen, die mich in dieser Zeit auch zu einem großen Output führten,…

    Kommentare deaktiviert für Meine Zeit mit Sylvia.
  • Projekt [txt]

    [txt] Splitter.

    Gestern habe ich mir Bilder von dir angesehen, damals als du gerade erst volljährig geworden bist und dein Gesicht noch die Neugierde auf das Leben eingraviert hatte. Ich weiß noch, diese Bilder habe ich mir heimlich immer wieder einmal angesehen. Du warst so schön darauf. John Green hast du mir empfohlen, ich soll “Looking for Alaska” lesen, du warst meine Alaska. Das Foto von dir im Café auf dem du auf dein letztes Handy schaust hat sich mir eingeprägt. Häufig zeige ich dir Dinge, die mir sehr gefallen. Ich will dich in meinen Kopf schauen lassen, mein Wesen dir in kleinen Stücken darzureichen. Alles wäre wohl zu viel. Letztens hab…

  • Projekt [txt],  Prosa

    [txt] Alkohol.

    Die einzigen Bilder, die ich von dir habe zeigen dich mit einer Flasche Bier. Du mit mir an Weihnachten und die Flasche Bier, du mit mir an Ostern und die Flasche Bier, du mit mir, meiner Geburtstagstorte, Geschenken und die Flasche Bier. Ich hatte die Flasche Bier als vollwertiges Familienmitglied akzeptiert gehabt. Familienmitglieder muss man gut behandeln, hast du immer gesagt, als du dir zum Frühstück eine Flasche aufgemacht hast. Für mich Kakao, für dich Bier. Du warst sehr nett zu mir immer, manchmal hast du den Rest übrig gelassen, für deine Kleine. Ich habe Bier nicht gemocht, aber ich wollte dich nie enttäuschen. Dein Geruch nach Schweiß und Bier…

    Kommentare deaktiviert für [txt] Alkohol.
  • Allgemein,  Projekt [Sterbenswörtchen]

    [Sterbenswörtchen]: Jennifer Düing.

    Wer sind die großartigen Autor/-innen, die hie und da ein Sterbenswörtchen verlieren? Mein Gast für den Monat April ist Jennifer Düing, vielen bekannt als @nachtblau und @goldmomente von Twitter. Jennifer bezeichnet sich selbst als Poesietwitterin und mag Kultur, Ballett und kleine, wunderbare, subtile Dinge. Zurzeit arbeitet Jennifer beim Festspielhaus Baden-Baden als Internetmanagerin – der Kunst den Vorrang gegeben, ist Jennifer aber ebenso eine grandiose Sozialarbeiterin mit viel Herz.  Ihr derzeitiges Projekt Postkartenautorin liegt ihr sehr am Herzen – schon bald wird es ein Poesie-Postkarten-Abo geben. Menschen, die so sehr am Leben hängen, so viele Farben finden für all die Dinge, die man später schmerzlich vermisst, für den täglichen Optimismus, den…

    Kommentare deaktiviert für [Sterbenswörtchen]: Jennifer Düing.
  • Prosa

    Kollektivsplitter.

    “Jetzt hast du, was du wolltest, nicht?” “Nein, so kann ich das nicht.” “Du kannst sehr wohl, du willst nur nicht” “Ich kann DAS wirklich nicht, verstehst du denn nicht?” “Ich bin mir sicher, dass du einfach nicht willst.” “Schön, dann werd ich jetzt wollen wie du willst.” “Aber ich will das auch nicht so.” Betretenes Schweigen breitete sich auf dem quadratischen Tisch im Abendgewimmel aus. Es war früh, und doch zu spät, niemand beachtete die beiden, es war eigentlich zu kalt, um jetzt noch im Café  bei offenen Türen zu sitzen, aber dem Frühling zollt man Respekt. Sie fuhr sich durch ihre zerzausten Haare, ihren Cardigan zog sie weiter…

    Kommentare deaktiviert für Kollektivsplitter.
  • Projekt [txt]

    [txt] Fernweh.

    All diese deine Fehler und die Suche nach dem Meer bloß deine Ohren rauschen wie wenig außer einer Vorstellung und durchgelatschten Schuhen bleibt. Deine Arme sind so lang du umarmst regelrecht die Welt ich wünschte du würdest davon erzählen wie du die Strecken zu mir aus den Gleisen reißt. All deine Trauersprache packst du in einen Lederkoffer heute lässt du dir neben Bart auch ein Schweigen stehen und läutest bei meiner Tür. Dein Fernweh hört nur auf wenn du zwischen meinen Beinen liegst und mir Seite um Seite ein Stück von deiner Welt in meine Öffnungen füllst. Jedes Mal, wenn ich an dich denke entsteht in mir ein neues Loch…

    Kommentare deaktiviert für [txt] Fernweh.
  • Projekt [Sterbenswörtchen]

    [Sterbenswörtchen] Daniel Spitz.

    Wer sind diese großartigen Autor/-innen, die ein Sterbenswörtchen verlieren? Einer davon ist Daniel Spitz, Jungautor aus München. Daniel schreibt, wenn er nicht gerade bei Kunst & Spiel seine Zeit verbringt, wunderschöne Geschichten auf seinem Blog Seavity.  Der grandioser Schriftsteller war bereit mir meine Fragen zum Tod und Sterben zu beantworten: Was bedeutet Tod für dein Schreiben? Das Leben mündet im Tod, damit mündet das Schreiben im Tod. Mein Leben, das hat ein Ende, doch meine Literatur, mein Werk, das lebt weiter. Das erfüllt mich mit Trauer, aber auch mit Glück. Wie politisch ist der Tod? Der Tod ist eines der einzigen Themen, das nicht politisch sein kann. Jede politische Debatte,…

    Kommentare deaktiviert für [Sterbenswörtchen] Daniel Spitz.
  • Allgemein,  Prosa

    Bermudadreieck.

    Es ist wieder einer dieser Tage. Dieser Tag, wo man die Augen nicht mehr aufmachen will, im Bett liegen bleiben, die Arme über den Kopf verschränken und in dieses Bermudadreieck aus Armen, Kopf und Kissen weinen möchte. Wenn ich die Augen aufmache, bist du genauso wenig da wie die Tage zuvor. Du bist woanders, nicht weit weg von mir, und doch unerreichbar. Ich mag die Augen, nicht mehr aufmachen. Ich will mir nicht mehr darüber Gedanken machen, wo du jetzt bist, wenn du nicht da bist. Ich mag, dass du hier neben mir auf der rechten Seite liegst, schlafend, in deiner schlafenden Zuversicht, dass morgen auch noch ein Tag ist,…

    Kommentare deaktiviert für Bermudadreieck.