• Poetik,  Projekt [txt]

    [txt] sagenumwoben.

    Mir steckt der Krieg in den Knochen und die Flucht in den jungen Kinderbeinen und die Schüsse stehen in den Augen geschrieben Es ist nichts schön von dem, was erzählt wird ausgebombte Löcher kaputte Stacheldrähte und Hungermärsche Flucht und Wut in den zerstörten Rippen Sagenumwoben nennst du die Jahre 38 bis 45 eine glorreiche Zeit für die im Bunker und redest die Toten wieder lebendig sie hängen an Ästen in deinen Geschichten Mit einer Glasscherbe von einem Doppelliter hast du einen Menschen um sein Leben gebracht und hast dir gedacht ich würd gern was trinken das fand ich damals schon absurd und grausam Ein Leben ist nichts für ein Vaterland…

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  • Poetik

    Lyricboy.

    Du bist das Licht zwischen den Häuserzeilen die Temperatur zwischen meinen Beinen das Fadenscheinige im Soprankoloratur hab dich verkostet ausstudiert alle deine Farben im Spätherbst ausprobiert dich auf Leinwände geschmissen und auf Papier gedruckt dazwischen Bleistifte verwüstet und geblockt ausgeschrieben weggetrieben dich vor meiner Wortgewalt zwischen Satz und Frage Punkt und Strick angedockt du bist Herbstnacht ins Mark gesunken dich verstrickt befehligt, verwüstet in Notizen festgekettet dich laufen lassen und mit Tinte eingefangen hie und da da verläufst du dich in einem wortgetränkten Tau.   Bildnachweis.

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  • Poetik

    Lächerlichkeitstode.

    Wir kleben zusammen wie loses Papier meine Verbindungsanfrage war zu komplex die hast du nicht verarbeiten können möglicherweise waren da zuviele Via-Stationen es kostet schon extrem viel Mut dir den sozialen Lächerlichkeitstod zu ersparen meine Kassen klingen nicht mehr ich hab da ein Loch dass du mir rausreißt wenn du sagst du gehst du gehörst auch nicht an das lose Meer aber ich bin lieber kaputt als getrennt von deinem Trotteldasein und kleb mich zusammen mit Kleister aus Tee     Bildnachweis.

  • Prosa

    Hundertsechsundzwanzig Stunden.

    Wenn du weg bist, sieht alles verwaschen aus. Die Wohnung, in der wir leben, der Himmel, wie ein Himmel von Manet, wie rote Frauen von Garache. Da ist diese, deine braune Tasche auf dem Bett, ein Teller voller Krümel, deine Schuhe. Da ist dein Durst letzter Nacht noch sichtbar, eine ausgetrunkene Wasserflasche, womöglich eine zweite unter dem Bett. Da ist das Fenster, das von letzter Nacht erzählt, als man betrunkene Jugendliche vorbeilaufen hörte und um vier Uhr morgens die Müllabfuhr. Da ist irgendwo über, unter, neben dir Musik aus den Neunzigern, die jeder kennt und niemand mehr hört. Halbschlaf, tiefer Schlaf, Viertelschlaf, auf der einen und der anderen Seiten, ein…

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  • Projekt [Parablüh]

    #Ja, ich will.

    ” I want, I want” von Sylvia Plath war der Anlass für Cornelia Travnicek ein Gedicht zu schreiben, das den Titel “Ja, ich will” trägt. Das Spiel mit “Yes, I do”, “Yes, I want”, Yes, I will” und “Ja, ich will” ist meiner Meinung nach gewollt so gewählt. Mit beiden Gedichten habe ich mir schwer getan, bei Plath war es für mich nicht komplett einsichtig, ob es tatsächlich um eine religionskritische Auseinandersetzung mit der Dreifaltigkeit geht oder ob biblische Zitate verwendet werden um ein nicht zu sättigendes Kind zu beschreiben. Ich würde eher das Zweite vermuten – weil das Kind beinahe abartig beschrieben wird – nicht zu sättigend, wie ein…

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  • Projekt [Parablüh]

    #Präambel

    Präambel heißt das 13. Gedicht in Cornelia Travniceks Gedichteband “Parablüh” und verbindet sich mit dem Gedicht “All the Dead Dears” von Sylvia Plath. Eine Präambel als feierliche Einleitung für den Vertrag mit dem Tod. Der Tod hat immer etwas Relatives, Morbides, wenn man Material nach dem Tod wird. Zunächst: Material für die Hinterbliebenen – als Materie in Form von Erinnerungen, die zuerst stark sind, dann verblassen, irgendwann verschwinden sogar. Als konkretes Material nach dem Tod für Würmer, Mäuse und Spitzmäuse (wie Plath es in ihrem Gedicht beschrieben hatte: Sie war im archäologischen Museum in Cambridge, wo sie einen Steinsarg entdeckte, der die Skelette von einer Frau, einer Maus und einer…

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  • Projekt [Parablüh]

    #Standbild

    Als heutiger theoretischer Input diente mir Cornelia Travniceks Gedicht “Standbild”, welches mit “Der Koloss” von Sylvia Plath zusammenhängt. Während es bei Plaths Gedicht um ihren Vater geht, zu welchem sie kein gutes Verhältnis hatte, geht es bei Travniceks Gedicht um den “Vater Staat” und eine Ebene darüber. Meiner Meinung nach zeichnet sich das Gedicht vorrangig über das Erzählen von Stein und Statue aus. Ausgehend von den Statuen, die man “Ehrenmännern” errichtet, wird versucht zu das Gebilde eines Staates zu kritisieren. Dies sehe ich zu einem im Begriff “Altvordere” und dem Vers “Nichts, als eine Säule bist du” abgebildet – beides für mich ein Hinweis auf eine negative Konnotation. Ebenso werden…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Fernweh.

    All diese deine Fehler und die Suche nach dem Meer bloß deine Ohren rauschen wie wenig außer einer Vorstellung und durchgelatschten Schuhen bleibt. Deine Arme sind so lang du umarmst regelrecht die Welt ich wünschte du würdest davon erzählen wie du die Strecken zu mir aus den Gleisen reißt. All deine Trauersprache packst du in einen Lederkoffer heute lässt du dir neben Bart auch ein Schweigen stehen und läutest bei meiner Tür. Dein Fernweh hört nur auf wenn du zwischen meinen Beinen liegst und mir Seite um Seite ein Stück von deiner Welt in meine Öffnungen füllst. Jedes Mal, wenn ich an dich denke entsteht in mir ein neues Loch…

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  • Projekt [Sterbenswörtchen]

    [Sterbenswörtchen] Daniel Spitz.

    Wer sind diese großartigen Autor/-innen, die ein Sterbenswörtchen verlieren? Einer davon ist Daniel Spitz, Jungautor aus München. Daniel schreibt, wenn er nicht gerade bei Kunst & Spiel seine Zeit verbringt, wunderschöne Geschichten auf seinem Blog Seavity.  Der grandioser Schriftsteller war bereit mir meine Fragen zum Tod und Sterben zu beantworten: Was bedeutet Tod für dein Schreiben? Das Leben mündet im Tod, damit mündet das Schreiben im Tod. Mein Leben, das hat ein Ende, doch meine Literatur, mein Werk, das lebt weiter. Das erfüllt mich mit Trauer, aber auch mit Glück. Wie politisch ist der Tod? Der Tod ist eines der einzigen Themen, das nicht politisch sein kann. Jede politische Debatte,…

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  • Allgemein,  Prosa

    Bermudadreieck.

    Es ist wieder einer dieser Tage. Dieser Tag, wo man die Augen nicht mehr aufmachen will, im Bett liegen bleiben, die Arme über den Kopf verschränken und in dieses Bermudadreieck aus Armen, Kopf und Kissen weinen möchte. Wenn ich die Augen aufmache, bist du genauso wenig da wie die Tage zuvor. Du bist woanders, nicht weit weg von mir, und doch unerreichbar. Ich mag die Augen, nicht mehr aufmachen. Ich will mir nicht mehr darüber Gedanken machen, wo du jetzt bist, wenn du nicht da bist. Ich mag, dass du hier neben mir auf der rechten Seite liegst, schlafend, in deiner schlafenden Zuversicht, dass morgen auch noch ein Tag ist,…

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