{"id":7522,"date":"2021-02-08T15:18:27","date_gmt":"2021-02-08T14:18:27","guid":{"rendered":"https:\/\/katkaesk.com\/?p=7522"},"modified":"2021-08-06T17:43:55","modified_gmt":"2021-08-06T15:43:55","slug":"rezension-reigen-reloaded","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katkaesk.com\/index.php\/2021\/02\/08\/rezension-reigen-reloaded\/","title":{"rendered":"[Rezension] Reigen reloaded."},"content":{"rendered":"\n<p>Begegnung inspiriert, bringt neue Ideen so wie eine gegenw\u00e4rtige Neuauflage des Reigens, der dramatisch und anregend sich der Fragestellung widmet, wie <em>fragw\u00fcrdig Monogamie in der Literatur und im echten Leben sei.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zuweilen nah am Originaltext und doch einer Transformation f\u00fcr die Gegenwart unterzogen worden, zeigt sich <em>Reigen Reloaded <\/em>als zehnstimmiges, sprachliches Ereignis, das mit jeder Weiterf\u00fchrung \u00dcberraschungen parat h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Unvorhersehbarkeit ist gleich zu Beginn in Gertraud Klemms Ausschnitt <em>Leonie und Josh <\/em>zu finden, die sich in Form gezielt an Schnitzlers Reigen h\u00e4lt und den Bogen zur intimen Performance in neuen Medien kreativ spannt. Sie wirft ebenso die Frage der sexuellen Erpressbarkeit auf und konfrontiert Lesende mit dem Thema der Legalit\u00e4t von Liebesbeziehungen. <em>Gustav Ernst <\/em>n\u00e4hert sich k\u00fcnstlerisch dem Indien, das auch bei Schnitzer Thema ist und zeigt die soziale Durchl\u00e4ssigkeit seiner handelnden Personen, eine Neuadaption gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse, die bei Arthur Schnitzlers Reigen vor 120 Jahren noch nicht so gegeben waren. <em>Bettina Bal\u00e0ka, Daniel Wisser, Michael Stavari\u010d, Thomas Stangl <\/em>treffen den Lokalkolorit und den Wiener Humor haarscharf und erzeugen eine heimelige, wienerische Atmosph\u00e4re im Buch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autor*innen geben ihren Personen und Namen und doch nicht, sie sind beliebig zu lesen. M\u00f6gen sie im Original Robert, Emma, Alfred, Franz oder Marie hei\u00dfen, so sind es hier Mia, Benedikt, Anna oder die Funktionsbezeichnung Magister. <em>Angela Lehner <\/em>nennt ihre weiblich gelesene Figur Baby und n\u00e4hert sich der Person so, dass sie zur Ich-Erz\u00e4hlerin wird, und \u00fcbernimmt die Sicht des wirtschaftsaffinen Herbert. Ein faszinierender Blick, der sich vor Klischees nicht f\u00fcrchtet und doch nach den Grenzen von einvernehmlichem und gezwungenem Sex sucht. Auch die Herausgeberin <em>Barbara Rieger <\/em>schl\u00fcpft in das Ich der Geschichte und gibt sich ganz der Rolle der Schauspielerin hin. Die Balance zwischen der Neuinterpretation der Originalhandlung, Aufl\u00f6sung der Namen in ein blo\u00dfes <em>ich und Du<\/em>, als auch die Anlehnung der im Ursprungstext zu findenden Reptilien- und Insektenmetaphern ist hier grandios gelungen. <em>Martin Peichl <\/em>wei\u00df ebenso um die Bedeutsamkeit von Tiermetaphern und erg\u00e4nzt die Raben, die als Hommage an den rabenschwarzen Humor Arthur Schnitzlers zu lesen sind. In diesem Text l\u00e4sst sich die vorangegangene, eing\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung mit dem Original nachweisen, der Dichter, der leise ein \u201eSonne, Bad, D\u00e4mmerung, Mantel\u201c in den Raum wirft, wie in der Umarbeitung ein \u201eDu tr\u00e4gst das Licht wie einen Bademantel\u201c zu finden ist. Das literarische Ringelspiel endet mit Petra Ganglbauers monologischen Gew\u00fcrznoten, die den Lesenden vereinnahmend die N\u00f6te des alten Herren gewahr werden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant erscheint die Fragestellung, warum das Buch an heteronormativen Liebesbeziehungen festh\u00e4lt, und nicht den Weg hin zu einer sexuellen Diversit\u00e4t w\u00e4hlt. Abgesehen davon gelingt es aber <em>Barbara Rieger <\/em>sehr gut, die 10 Autor*innen sprachlich stimmig zu vereinen und einen neuen Kodex der Intimit\u00e4t in die literarische Gegenwart zu holen. Besonders hervorzuheben ist die gelungene graphische Gestaltung in Jugendstil-\u00e4hnlicher Art und Weise durch <em>Sheila Ehm<\/em>, die das Zeichen der Viertelpause in einen neuen Kontext setzt. <em>Reigen Reloaded <\/em>ist eine Ann\u00e4herung an Arthur Schnitzler, ohne dass es Anspruch an Aneignung stellt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:11px\"><br>Originalbeitrag<br>F\u00fcr die Rezension ist die Verfasserin verantwortlich; Rezensionsexemplar freundlicherweise vom Verlag zur Verf\u00fcgung gestellt<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Begegnung inspiriert, bringt neue Ideen so wie eine gegenw\u00e4rtige Neuauflage des Reigens, der dramatisch und anregend sich der Fragestellung widmet, wie fragw\u00fcrdig Monogamie in der Literatur und im echten Leben sei. 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