{"id":2133,"date":"2014-01-31T19:26:27","date_gmt":"2014-01-31T19:26:27","guid":{"rendered":"http:\/\/katkaesk.wordpress.com\/?p=2133"},"modified":"2016-08-21T15:24:44","modified_gmt":"2016-08-21T13:24:44","slug":"schneeflocken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katkaesk.com\/index.php\/2014\/01\/31\/schneeflocken\/","title":{"rendered":"Schneeflocken."},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\">Die Schneeflocken treiben, so wie wir. Mit der Zeit, in den Momente, wir halten fest, uns fest, an uns, an dem letzten Funken Hoffnung, der sich gerade entschieden hat, die Welt ruhen zu lassen und wei\u00df einzuh\u00fcllen. Wir haben uns hier hingelegt, dem Schnee schauten wir zu, wie er bed\u00e4chtig auf das gro\u00dfe Dachfenster fiel, kurz blieb, und dann schmelzte, weil die warme Luft des nahegelegenen Ofens die Scheiben zu sehr w\u00e4rmte. Das Grau des Himmels vermischte sich bereits mit Blaut\u00f6nen, bald w\u00fcrde es dunkelblau sein, bald schwarz. Wir haben uns in Decken geh\u00fcllt, wir wollten zusehen, wie das Grau geht, wie die Schneeflocken auch uns bedecken. Eigentlich br\u00e4uchten wir keine Kuscheldecken, der Raum so warm, die alten Schweden\u00f6fen hatten schon immer gut geheizt, du hattest vorhin ordentlich nachgelegt. Da war der Himmel noch hellblau, nun war er grau, es schien, als h\u00e4tten die Schneeflocken eine anstrengende Reise hinter sich. Wir ruhten, wir schmolzen dahin, unser Nachbar \u00fcbte wieder Klavier, er war gut. Niemand sprach, die Welt war laut genug. Wenn man leise genug war, h\u00f6rte man die Schneeflocken auf die Scheiben fallen, es klang, als w\u00fcrden sie uns einen guten Abend w\u00fcnschen wollen. Der Boden knarrte, weil er an Feuchtigkeit verlor, neben uns lag die Katze, die schnurrte und langsam in den Schlaf versank. Die Sonate hatten wir schon oft geh\u00f6rt, es war uns auch ein Lieblingsst\u00fcck geworden, jedes Mal klang sie ein bisschen sch\u00f6ner, ein bisschen vertrauter, ein bisschen mehr erz\u00e4hlte sie davon, dass wir endlich da waren, wo wir immer hin wollten. Der Teekocher brodelte bed\u00e4chtig hin, bald w\u00fcrde wohl das Wasser hei\u00df genug sein, die Tassen hatte ich schon bereit gestellt, den Tee in die Teekanne getan. Sie warteten. Wie wir, die nebeneinander lagen, und nach au\u00dfen starrten, wie die Schneeflocken langsam die Scheiben k\u00fchlten und liegen blieben, sich ausruhten. Der dritte Satz war Adagio, auch unser Nachbar ruhte sich gerade aus. Das Wasser war hei\u00df genug, bed\u00e4chtig hielt ich inne, den Moment wollte ich nicht zerst\u00f6ren. Die Ruhe hatte sich unsere Adresse gemerkt. Wir langen zu viert im Bett, du, die Katze, die sich mittlerweile neben dich gelegt hatte, die Ruhe und ich. Die Schneeflocken beobachteten uns, sie blieben auf der Fensterscheibe liegen, und starrten auf uns. Du hattest hart gearbeitet, du sahst so m\u00fcde aus. Ich rollte mich leise aus dem Bett, tapste leise in die K\u00fcche, bereitete den Tee zu. Deine Lieblingstasse hatte schon einige Blessuren erlitten, oben hatte sie einen Sprung. Mehrmals war sie schon runtergefallen, nie kaputt geworden. Den Tee trankest du nur aus dieser Tasse, weil du meintest, der Tee entfalte in dieser Tasse sein optimales Aroma, ich schmunzelte dar\u00fcber jedes Mal. Ich goss den Tee zun\u00e4chst in Kanne, das Teesieb quoll auf, der Geruch verbreitete sich allm\u00e4hlich im Raum, meine Augen glitten schnell an die Wand, ich beobachtete den Sekundenzeiger, wie er leise tickte und mir verrieten, dass ich noch 3 Minuten zu warten hatte. Im Hof hatte sich auch schon etwas Schnee angesammelt, ich sah eine Frau, die das Fenster offen hatte, und rauchend ein Telefonat erledigte. Auf dem Fensterbrett sammelte sich etwas Schnee. Morgen w\u00fcrde die Katze wieder ehrf\u00fcrchtig vorsichtig eine Pfote in den Schnee dr\u00fccken, dann Schritt f\u00fcr Schritt in den Schnee setzen. Jedes Jahr konnte sie sich nicht daran erinnern, dass wir auch schon letztes Jahr Schnee hatten, und sie entdeckte ihn jedes Jahr neu. Wir taten es ihr \u00e4hnlich, jedes Jahr war der erste Schnee wie ein Wunder, jede Schneeflocke so einzigartig, Staunen um Staunen. Vorsichtig goss ich den Tee in die Tassen, stellte die Kanne auf ihren Untersetzer, nahm die Tassen und schlich zur\u00fcck zum Dachfenster, dass nun zu erkennen gab, dass das Dunkelblau bereits auf Besuch gekommen war. Gekr\u00fcmmt lagst du nun da, du warst eingeschlafen. Ich setzte mich in den Ohrensessel, die Teetassen stellte ich auf den Nebentisch.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><i>Mr. Darcy wartete bereits in Derbyshire auf mich.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schneeflocken treiben, so wie wir. Mit der Zeit, in den Momente, wir halten fest, uns fest, an uns, an dem letzten Funken Hoffnung, der sich gerade entschieden hat, die Welt ruhen zu lassen und wei\u00df einzuh\u00fcllen. 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