• Projekt [txt]

    [txt] Nein.

    Eigentlich müsse sie es schon wissen, dass er immer “Nein” zu ihr sagen würde. Das “Nein” hat sich in seinen Augen festgekrallt, wie eine Katze in Todesangst, wenn sie droht von einer Klippe zu stürzen. Er hat Angst vor ihr, zeigt es ihr mit Gleichgültigkeit. Neben dem “Nein” steht immer ein “Du bist mir egal” im Regal. Seine Buchreihen sind voller Bücher mit Ablehnung gefüllt. Seine liebste Abteilung ist mittlerweile die “Literatur für etwaige Jobangebote im Ausland” geworden. Die präsentiert er ihr ganz gerne, Buch für Buch. Möglichkeiten in der Zukunft, die er so sieht, und wo man sich so als junger Mann in seinen anfänglichen Dreißigern so sehen kann.…

  • Projekt [txt]

    [txt] Lichtblick.

    Eine starke obsession exaltierte neigung oder zwangsstörung wärme zwischen den emotionalen kapillaren grausamkeit, gefühlt ein zeilenabstand der lichtblick und die volle wand namentlich dein kopf dein braun-grüner blick ein schwerwiegender vorwurf Vergangenheit im handgepäck ein unvorteilshaftes arragement wir, belastet und schwierig aber haarröhrchenwirkung und die ahnung von anfang, bürde, ende stadt – land – schluss mit dem antiquierten gehabe und deiner zweigeteiltheit zwischen klippen und kanten ein wort, ein ton, die leere verwaschene gespräche mit wasserfarbener sprache und die einsicht dann die aussicht dass dann endlich schluss.     Bildnachweis.

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  • Projekt [txt]

    [txt] Kitsch me if you can.

    Ein Buch legt neben mir im Bett. Heute hat es geschneit bis in das Buch hinein, ich sehe die Flocken zwischen den Seiten. Seitenweise erzählt es, ein Reisetagebuch, es wäre unsere fünfte gewesen. Reise. Zwischen den Schneeflocken und auf der Autobahn zwischen den Autos, die Winterorte und Schneelandschaften besuchen, zwischen den Bergen und Tallandschaften, die sich in die Länge ziehen. Ich wäre wie ein Kind im Auto gesessen, und hätte gejubelt, weil es auf die Autoscheibe schneit, dicke Flocken,sie werden weggewischt, es kommen neue, neue Flocken, die Welt sieht mit Schnee viel schöner aus. Ich sehe Mundwinkeln, die nach oben geben wegen des Schnees, es sind nicht meine.   Damals sind…

  • Poetik,  Projekt [txt]

    [txt] sagenumwoben.

    Mir steckt der Krieg in den Knochen und die Flucht in den jungen Kinderbeinen und die Schüsse stehen in den Augen geschrieben Es ist nichts schön von dem, was erzählt wird ausgebombte Löcher kaputte Stacheldrähte und Hungermärsche Flucht und Wut in den zerstörten Rippen Sagenumwoben nennst du die Jahre 38 bis 45 eine glorreiche Zeit für die im Bunker und redest die Toten wieder lebendig sie hängen an Ästen in deinen Geschichten Mit einer Glasscherbe von einem Doppelliter hast du einen Menschen um sein Leben gebracht und hast dir gedacht ich würd gern was trinken das fand ich damals schon absurd und grausam Ein Leben ist nichts für ein Vaterland…

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  • Allgemein,  Projekt [Sterbenswörtchen]

    [Sterbenswörtchen]: Emma denkt.

    Wer sind diese großartigen Autor/-innen, die hie und da ein Sterbenswörtchen verlieren?  Soviel sei gesagt: ihr Lebensmotto ist “Emotionen sind Herdentiere”. Sie hat schöne Emotionen, die Michèle von Emma denkt. Regelmäßig lässt sie anteilhaben über die Liebe, das Leben, Halbwahrheiten, frei erfunden und doch vom wahren Leben erzählend. Täglich postet Emma denkt neue Texte hier auf Facebook. Im Dezember 2015 erschien das Buch »Emma denkt. – Emotionen sind Herdentiere. Eine Auswahl gesammelter Texte« in Eigenregie als limitierte Kleinauflage war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und auch die Zweitauflage war alsbald vergriffen. Emma arbeitet gerade an ihrem zweiten Buch. Trotz der vielen Arbeit hat Michèle die Zeit gefunden, mir meine Fragen zu beantworten: Was bedeutet der…

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  • Poetik

    Lächerlichkeitstode.

    Wir kleben zusammen wie loses Papier meine Verbindungsanfrage war zu komplex die hast du nicht verarbeiten können möglicherweise waren da zuviele Via-Stationen es kostet schon extrem viel Mut dir den sozialen Lächerlichkeitstod zu ersparen meine Kassen klingen nicht mehr ich hab da ein Loch dass du mir rausreißt wenn du sagst du gehst du gehörst auch nicht an das lose Meer aber ich bin lieber kaputt als getrennt von deinem Trotteldasein und kleb mich zusammen mit Kleister aus Tee     Bildnachweis.

  • Allgemein,  Projekt [txt]

    [txt] entdecken.

    Ich weiß noch, damals, ich war wohl kaum älter als acht Jahre, hat mir mein Opa voller Stolz seinen SS-Ausweis gezeigt. “Schau, das waren noch schöne Zeiten”, hat mein Opa gesagt, in seinen Bart hinein, unter welchen er sonst sehr viel Gram versteckt hielt. Mein Opa hat mir oft von den schönen Zeiten erzählt. Der “Kristallnacht”, so als wär es Weihnachten für ihn gewesen. Der  “Hasenjagd” und wie toll es war, soviel Ungetier zu jagen. Manchmal hat er auch Mensch-ärgere-dich-nicht oder ein Kartenspiel mit mir gespielt. “Spiel nicht immer wie ein Jud”, hat er mich geneckt und mich dann angehalten ein “Ich bin kein Scheißjud” zu schreien, mitten in das…

  • Projekt [txt],  Prosa

    [txt] Alkohol.

    Die einzigen Bilder, die ich von dir habe zeigen dich mit einer Flasche Bier. Du mit mir an Weihnachten und die Flasche Bier, du mit mir an Ostern und die Flasche Bier, du mit mir, meiner Geburtstagstorte, Geschenken und die Flasche Bier. Ich hatte die Flasche Bier als vollwertiges Familienmitglied akzeptiert gehabt. Familienmitglieder muss man gut behandeln, hast du immer gesagt, als du dir zum Frühstück eine Flasche aufgemacht hast. Für mich Kakao, für dich Bier. Du warst sehr nett zu mir immer, manchmal hast du den Rest übrig gelassen, für deine Kleine. Ich habe Bier nicht gemocht, aber ich wollte dich nie enttäuschen. Dein Geruch nach Schweiß und Bier…

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  • Prosa

    Kollektivsplitter.

    “Jetzt hast du, was du wolltest, nicht?” “Nein, so kann ich das nicht.” “Du kannst sehr wohl, du willst nur nicht” “Ich kann DAS wirklich nicht, verstehst du denn nicht?” “Ich bin mir sicher, dass du einfach nicht willst.” “Schön, dann werd ich jetzt wollen wie du willst.” “Aber ich will das auch nicht so.” Betretenes Schweigen breitete sich auf dem quadratischen Tisch im Abendgewimmel aus. Es war früh, und doch zu spät, niemand beachtete die beiden, es war eigentlich zu kalt, um jetzt noch im Café  bei offenen Türen zu sitzen, aber dem Frühling zollt man Respekt. Sie fuhr sich durch ihre zerzausten Haare, ihren Cardigan zog sie weiter…

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  • Allgemein,  Prosa

    Bermudadreieck.

    Es ist wieder einer dieser Tage. Dieser Tag, wo man die Augen nicht mehr aufmachen will, im Bett liegen bleiben, die Arme über den Kopf verschränken und in dieses Bermudadreieck aus Armen, Kopf und Kissen weinen möchte. Wenn ich die Augen aufmache, bist du genauso wenig da wie die Tage zuvor. Du bist woanders, nicht weit weg von mir, und doch unerreichbar. Ich mag die Augen, nicht mehr aufmachen. Ich will mir nicht mehr darüber Gedanken machen, wo du jetzt bist, wenn du nicht da bist. Ich mag, dass du hier neben mir auf der rechten Seite liegst, schlafend, in deiner schlafenden Zuversicht, dass morgen auch noch ein Tag ist,…

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