• Poetik

    Lyricboy.

    Du bist das Licht zwischen den Häuserzeilen die Temperatur zwischen meinen Beinen das Fadenscheinige im Soprankoloratur hab dich verkostet ausstudiert alle deine Farben im Spätherbst ausprobiert dich auf Leinwände geschmissen und auf Papier gedruckt dazwischen Bleistifte verwüstet und geblockt ausgeschrieben weggetrieben dich vor meiner Wortgewalt zwischen Satz und Frage Punkt und Strick angedockt du bist Herbstnacht ins Mark gesunken dich verstrickt befehligt, verwüstet in Notizen festgekettet dich laufen lassen und mit Tinte eingefangen hie und da da verläufst du dich in einem wortgetränkten Tau.   Bildnachweis.

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  • Projekt [txt]

    [txt] tangieren.

    Erzählungen verleihen Kraft. Inspiration. Tatendrang. Fantasie. Erzählungen die wir selbst schaffen, neu zusammensetzen. Ein Puzzleteil eines kleines Erlebnisses oder eines Gefühls. Als ich ein Kind war, war mir nichts wichtiger als meine Bücher, die meine Eltern zum Sprechen brachten und meine Hörkassetten, die mich nach Schlumpfhausen, Gallien, Neustadt oder in eine Wiese voller Klatschmohn brachten. Nie schlief ich danach besser ein als nach dem Hören eines Hörspiels und einer vorgelesenen Geschichte. Nicht, weil es so langweilig gewesen wäre, sondern weil mich jedes Hörspiel auf eine neue Reise mitnahm. Damals habe ich angefangen mir Geschichten auszudenken. So zeichnete ich das Gehörte, schrieb es um, war mehr in Königreichen und fernen Ländern…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Splitter.

    Gestern habe ich mir Bilder von dir angesehen, damals als du gerade erst volljährig geworden bist und dein Gesicht noch die Neugierde auf das Leben eingraviert hatte. Ich weiß noch, diese Bilder habe ich mir heimlich immer wieder einmal angesehen. Du warst so schön darauf. John Green hast du mir empfohlen, ich soll “Looking for Alaska” lesen, du warst meine Alaska. Das Foto von dir im Café auf dem du auf dein letztes Handy schaust hat sich mir eingeprägt. Häufig zeige ich dir Dinge, die mir sehr gefallen. Ich will dich in meinen Kopf schauen lassen, mein Wesen dir in kleinen Stücken darzureichen. Alles wäre wohl zu viel. Letztens hab…

  • Projekt [txt],  Prosa

    [txt] Alkohol.

    Die einzigen Bilder, die ich von dir habe zeigen dich mit einer Flasche Bier. Du mit mir an Weihnachten und die Flasche Bier, du mit mir an Ostern und die Flasche Bier, du mit mir, meiner Geburtstagstorte, Geschenken und die Flasche Bier. Ich hatte die Flasche Bier als vollwertiges Familienmitglied akzeptiert gehabt. Familienmitglieder muss man gut behandeln, hast du immer gesagt, als du dir zum Frühstück eine Flasche aufgemacht hast. Für mich Kakao, für dich Bier. Du warst sehr nett zu mir immer, manchmal hast du den Rest übrig gelassen, für deine Kleine. Ich habe Bier nicht gemocht, aber ich wollte dich nie enttäuschen. Dein Geruch nach Schweiß und Bier…

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  • Poetik

    Alternativentwurf.

    Vielleicht nicht so sein und heiraten, Haus bauen, Kinder kriegen oder einen Baum pflanzen. Vielleicht anders sein, und sechs Kinder kriegen, ein altes Haus kaufen, aufs Land ziehen, wilde Ehe pflegen und einen ganzen Wald ansäen. Bücher lesen, Tee trinken und abwarten, mit dir die Nächte zerdiskutieren die Morgengrauen vertreiben oder sich beeilen, nur Zeitschriften lesen und Kaffee runterleeren, sich auf Fakenews betten und sich permanent den Wecker stellen. Dich im Meer suchen, untergehen, in deinen Metaphern tauchen, dir auf die Zehen treten und Fische im Ozean verschlingen oder dich in der Luft finden, hinauffliegen, in deinen Offensichtlichkeiten schweben, dir die Hände geben und die Vögel in der Luft braten.…

  • Poetik

    Fuchs | Möwe | Ungetier.

    Wäre ich ein Fuchs, wärst du die Möwe, lieb ich den Wald, dann du die Höhe du bist so laut und brüllst hernieder deine theoriegewordenen unbiegsamen Überflieger Wäre ich ein Schaf wärst du der Löwe bin ich leise brüllst du Gelöbe von Schmerz und Pein und schreist hinein deine Unvernunft ganz kochend rein. Wäre ich ein Elefant und du die Eule bin ich traurig auf meine ganz eigene Weise Trauer mein Ungetier trampelt dich tot deine Bäume sterben du kennst die Not. Wär ich ein Wolf wärst du Fisch greife reißerisch und du um mich all die Wut in mir verletzt dich du Schuppentier ich transformatives Ungetier. Bildnachweis

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  • Prosa

    Weg.

    Seit dem 15. bist du weg. Du bist einfach gegangen, hast nicht gefragt, ob ich das will. Du bist weg. Da liegt noch deine Zahnbürste, diese Eventualitäten-Zahnbürste, die du nie mehr wieder anrühren wirst. Die liegt da im Bad, neben dem Staub, der mehr wird, aber vielleicht bist du das, das neben dem Staub. Oder wie der Staub am Bahnhof, den man nicht sieht, weil Bahnhöfe nie mit Staub verbunden werden. Bahnhöfe verbindet man mit Abschied und Ankommen, mit Gehen und Wiederkommen, mit Kälte und Wind und Laufen und Koffer in die Hacken bekommen. Ich verbinde Bahnhofe mit Nie-mehr-Wiedersehen, mit der Endgültigkeit, mit dem Weggehen, mit dem Nicht-mehr-Ankommen-Können, mit dem…

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  • Allgemein,  Projekt [txt]

    [txt] Schatz.

    Heute bist du fast neben mir gesessen. Im Wartezimmer beim Arzt.  Krank hast du nicht wirklich ausgesehen, aber du kannst dich gut schminken und Augenringe hat schließlich jeder zweite Mensch. Aufrecht sitzt du da, siehst in die Menge an kranken Menschen, und ekelst dich ein bisschen, das sieht man dir an. Es ist dir zu laut, du ziehst eine Augenbraue nach oben, machst das rechte Auge zu und ziehst die auf derselben Seite sitzende Schulter Richtung Kopf. Du siehst nun auf deine Schuhe, deine Lippen bewegen sich. Es sieht aus, als würdest du zu deinen Schuhen reden, einen Schlachtplan ausmachen, fliehen wollen, immer weiter, einfach weg aus dieser Realität. Neben…

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  • Prosa

    Bis bald.

    Immer diese leeren Verabschiedungen, wenn du deinem Gegenüber ein “Bis bald, ruf mich an”, oder ein “Bis später” in den Mund küsst. Dann diese Höflichkeit folgend, dass es schön war, ja, dass es bald einer Wiederholung bedürfe, dass man sich bald wieder sehen müsse, unbedingt oder zumindest anrufen. Nicht mehr über Verabschiedungen sagen,  weil alles immer nur hohle Phrasen sind, niemand sich je wieder meldet und dieses “Bis bald” groß im Raum steht, immer größer wird und dann wie ein Luftballon auf Überdruck zerplatzt. Sag nicht mehr “Bis bald”, wenn du “Auf Nimmerwiedersehen” meinst, will ich dir hinterher rufen und nichts mehr in den Mund küssen und nichts mehr auf…

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  • Allgemein,  Projekt [txt]

    [txt] Wahnhaftig.

    Gespräch, dann Geschwätz. Irgendjemand musste, ohne dass er es wusste und im Anbetracht dessen, drei Kaffeehäuser weiter, und sich keiner Schuld bewusst zu sein, seine Worte gestohlen haben, denn er konnte sein Schreiben nicht mehr finden. Dennoch, nicht ganz frei von Schuld, so dachte er zumindest, wäre es ein Ansatz unter seiner Kaffeetasse nachzusehen, und wenn es so sein würde, dass sich seine innere Sprache darunter platzierte, wie sonst nur der Sud an Tassen heftet, wäre es wohl doch eine unausgegorene Idee und verwarf sogleich im selben Moment wiederum den Gedanken. Herr Wondracék, der Kellner des traditionsbewussten Kaffeehauses, kam diesmal nicht, um ihn, so hoffte er doch ein wenig, bei…

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