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    Radikalität und (Un)sinn.

    Ich habe diese Theorie, August und Oktober sind die schlimmsten Monate. August ist deswegen immer so schlimm,  weil man den Sommer verabschieden muss, aber der Sommer ist dann so stur und bleibt dann auch ewig. Genauso ist das dann mit den Menschen, von denen trennt man sich auch zumeist im August. Aber die sind genauso stur und bleiben hartnäckig im Kopf. Oder manchmal ist es auch so, dass sich Menschen im August voneinander trennen und dann sind beide stur und vergessen sich nicht.  Egal wie man es betrachtet, August ist ein schlimmer Monat.  Sehr folgsam kann man den August auch nicht beschreiben. Er setzt alles daran, sich jedes Jahr mit…

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    Radikalität und Ende.

    If you walk away, I´ll walk away First tell me which road you will take I don’t want to risk our paths crossing some day So you walk that way, I’ll walk this way Ich sagte dir, dass es leichter ist über den Tod nachzudenken, als über die Zukunft. Du meintest, aber die Zukunft wäre schöner als der Tod. Wir stehen jetzt hier – du am Scheideweg Zukunft und ich auf dem Pfad des Todes. Du magst nicht mehr über den Tod nachdenken, und ich erzähle dir, wie großartig es ist, dass es etwas im Leben gibt, dass endgültig ist, nicht so unstet, nicht so wie die Zukunft, die bloß…

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    Radikalität und Rassismus.

    Seit Wochen sagst du mir, dass ich wütend bin. “Warum bist du dauernd so wütend? Es gibt keinen Grund dazu”, sagst du mir. Du verstehst meine Gründe nicht. Ich bin wütend und ich weiß, dass es wenig bringt, dir meine Gründe darzulegen. Ich erzähle dir nicht mehr davon, dass es mich unendlich wütend macht, wie Menschen, die nicht in demselben Land wie du geboren sind, schlecht behandelt werden. Das mitten in Europa reiche Länder Menschen dahinsiechen lassen, als könnten sie nicht mehr leisten.  Ich rede schon gar nicht mehr davon, dass es mich wütend macht, wie Menschen radikal und ungebremst ihre Meinung kundtun, die alles andere als demokratisch ist.  Du…

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    Radikalität und Liebe.

    Er kennt die Radikalität, weil er einsam ist. Gerade weil er einsam ist, kennt er die Radikalität. Radikalität verlangt nach der Brutalität der Dinge. Diese erlangt man durch Isolation, auslöten der eigenen Grenzen und die der anderer. Auf der Suche nach dem Angenommen werden, vollständig und ganz, versucht man denselben Weg wie den des Radikalen, in der Hoffnung, Liebe beugt sich jegliche Radikalität, sie würde erschauern und denselben Spielregeln folgen, die man für die Provokation des Radikalen erwählte. Liebe ist von sich aus radikal und provoziert, sie benötigt ihresgleichen kein zweites Mal. Sie wendet sich ab, wissen, dass das Normale, das Halb-Bejahende und das Halb-Verneinende das wäre, was er bräuchte.…

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    Antikörper.

    Der Küchenboden war kalt, schwarz und weiß, die Fußabdrücke konnte man direkt sehen. Ein Tisch stand am Rand jener Wand, die 4 Meter in die Höhe schoss und von unten kein Ende zu haben schien, 4 Stühle beim Tisch stehend, zwei davon waren vollgeräumt mit Zeitungen, eine kahle Küche, die außer einer fast verdörrten Pflanze und Geschirr aus den Fünfzigern nichts zu bieten hatte. Sie saß zusammengekauert auf einem Sessel, in der Hand einen mit Haltbarmilch – gemachten – Kakao, eine Autozeitschrift aus den 80igern auf dem Tisch. Eine Hand legt sie in den Nacken, die Haare auf ein Knäuel zusammengebunden und der Stille zuhörend. Ihre billige Mascara war im…

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    Unverhofft.

    Ich verzweifle am Augenblick und hoffe doch zur gleichen Zeit das Beste, verliere mich in der Wut darüber, Hoffnung zu haben und Enttäuschung erneut zu tragen (wollen). In der Besinnung leben, dass es irgendwann wohl besser werden würde, wenn man den älter sei, und das schwarze Loch nicht tiefer werden würde, man rutscht in seinem Optimismus so leicht hinein. Der Optimismus ist der wahre Übeltäter jeglicher unerfüllter Hoffnungen. Kein Realist, und da könne man sicher sein, würde je so tief fallen, aber schwarz ist nicht gleich schwarz. So ist das Schwarz, das ein Optimist sieht durchaus schwärzer als das eines Pessimisten. Wer immer hell sieht, bleibt gar nichts anderes übrig,…

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    Bild[schön].

    Ich habe auf dich gewartet. Die Zeit in der fremden Stadt schien unendlich langsam zu vergehen, die Sehenswürdigkeiten waren alles andere als sehenswürdig. In einer Seitengasse der Innenstadt hatte ich vor ein paar Tagen einen Papierfachhandel entdeckt, ein kleines Zuhause in einer Stadt, die viel zu groß und laut für mich war. Zögernd betrat ich den Laden, das war nicht nötig, der vertraute Geruch nach Papier, Staub und Farben stieg mir in die Nase. Ich kaufte ein paar Bögen Papier, Graphitstifte, Kohlestifte und ein paar Kleinigkeiten, eigentlich nicht der Rede wert. Später, als der Regen versuchte, die dreckige und kalte Stadt wieder rein zu waschen, saß ich in meinem Bett,…

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    Löwen im Winter.

    Deiner Finger wanderten über die Bettdecke, die du vorgestern neu erworben hattest. Du wolltest immer schon eine Decke mit Patchwork haben, weil du meintest, dass das wie das Leben ist. Das Leben existiert nicht als Ganzes, es existiert nur aus zusammengestückelten Teilen, Patchworkleben eben. Eine Wasserflasche neben dem Bett, die Kohlensäure längst verflogen, die Flasche hatte bereits bessere Tage gesehen. Halbschläfriger Kuss auf meine Stirn, eine kurze Liebkosung meiner Haare, Verzweiflung in dir. „Der Schnee draußen ist ein Regen mit Verbitterung“ , pflegst du zu sagen, und du deutest wieder auf die schneebedeckten Fensterbänke, wartende Raben in der Nacht darauf. Jedes Wetter ist ein Untergang, wenn du nicht da bist…

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    Nur für den Moment.

    Du hattest deine Augen geschlossen, nur für den Moment. Es schien, als wäre die ganze Welt ganz weit weg. Deine Welt in dir war viel größer als die Welt das draußen, nur für den Moment. Dein Atem war ruhig, deine Brust senkte sich sachte, erhob sich kaum merkbar und wiederholte den Vorhang immer wieder. Du warst komplett in dich versunken, deine Welt da in dir, die musste so schön sein, dass es einem selbst den Atem raubte, doch du atmest und bist komplett du. Nur für den Moment. Hier war es kalt, deine Lunge setzte sanft den Atem frei, und er war sichtbar im Raum zu sehen, wie er schnell…

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