• Projekt [txt]

    [txt] Kitsch me if you can.

    Ein Buch legt neben mir im Bett. Heute hat es geschneit bis in das Buch hinein, ich sehe die Flocken zwischen den Seiten. Seitenweise erzählt es, ein Reisetagebuch, es wäre unsere fünfte gewesen. Reise. Zwischen den Schneeflocken und auf der Autobahn zwischen den Autos, die Winterorte und Schneelandschaften besuchen, zwischen den Bergen und Tallandschaften, die sich in die Länge ziehen. Ich wäre wie ein Kind im Auto gesessen, und hätte gejubelt, weil es auf die Autoscheibe schneit, dicke Flocken,sie werden weggewischt, es kommen neue, neue Flocken, die Welt sieht mit Schnee viel schöner aus. Ich sehe Mundwinkeln, die nach oben geben wegen des Schnees, es sind nicht meine.   Damals sind…

  • Poetik,  Projekt [txt]

    [txt] sagenumwoben.

    Mir steckt der Krieg in den Knochen und die Flucht in den jungen Kinderbeinen und die Schüsse stehen in den Augen geschrieben Es ist nichts schön von dem, was erzählt wird ausgebombte Löcher kaputte Stacheldrähte und Hungermärsche Flucht und Wut in den zerstörten Rippen Sagenumwoben nennst du die Jahre 38 bis 45 eine glorreiche Zeit für die im Bunker und redest die Toten wieder lebendig sie hängen an Ästen in deinen Geschichten Mit einer Glasscherbe von einem Doppelliter hast du einen Menschen um sein Leben gebracht und hast dir gedacht ich würd gern was trinken das fand ich damals schon absurd und grausam Ein Leben ist nichts für ein Vaterland…

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  • Projekt [txt]

    [txt] tangieren.

    Erzählungen verleihen Kraft. Inspiration. Tatendrang. Fantasie. Erzählungen die wir selbst schaffen, neu zusammensetzen. Ein Puzzleteil eines kleines Erlebnisses oder eines Gefühls. Als ich ein Kind war, war mir nichts wichtiger als meine Bücher, die meine Eltern zum Sprechen brachten und meine Hörkassetten, die mich nach Schlumpfhausen, Gallien, Neustadt oder in eine Wiese voller Klatschmohn brachten. Nie schlief ich danach besser ein als nach dem Hören eines Hörspiels und einer vorgelesenen Geschichte. Nicht, weil es so langweilig gewesen wäre, sondern weil mich jedes Hörspiel auf eine neue Reise mitnahm. Damals habe ich angefangen mir Geschichten auszudenken. So zeichnete ich das Gehörte, schrieb es um, war mehr in Königreichen und fernen Ländern…

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  • Projekt [txt]

    [txt] abgehen.

    Hast du etwas Zeit mein Kompass zeigt nur mehr deine Richtung ich hab meine Orientierung längst schon veloren die Sonne geht mittlerweile schon im Westen auf aber was weiß man schon wenn deine Köpfe doppelt denken Ich brauch deinen moralischen Kompass die Tage nochmal und du sagst mir den hab ich verlegt gehen wir ihn suchen und da reichen keine paar Tage das dauert länger gemeinsam oder so Und schau ich durch Rotweingläserränder dann sag ich mir alles was du kannst ist mir abgehen und das schweig ich mir zwischen die kaputten Kniekehlen Nordsüdgefälle zwischen uns.   Bildnachweis.

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  • Projekt [txt]

    [txt] Glück.

    Wir leben im Glückstaumel und nennen das bisschen Zeit die Beste, die wir hatten während wir an Zuckerwatte von Anekdoten und Träumen wie kleine Kinder naschen   Wir sind Kinder einer neuen Generation. Wir liegen in Betten, in Autos oder an Stränden. Wir zählen nicht, wir zählen nicht aneinander, von voneinander, wir erzählen nicht. Wir haben Füße und Hände, nebeneinander, nacheinander, ineinander, manchmal rufend. Wir atmen tief. Dazwischen Tage und Nächte. Tage mit und ohne Wolken, Nächte, die das Gleiche bieten. Ich höre sagen, ich bin glücklich. Ich höre sagen, ich bin’s nicht. Wir leben zwischen Wortgefecht und Wortgefecht. Zwischen Träumen, die wir noch nicht leben und nie werden. Wir…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Wald.

    Vater hat ein blaukariertes Hemd an und schwere Stiefel, mit Stahlkappen ausgestattet. Mit Zugseil, Axt, Keil, Motorsäge und einem dreckbeschmierten Helm packt er seinen Traktor und mich und zieht mich in die Tiefen seines Waldes. Grundbesitz muss man wahren, sagt mein Vater immer. Mein Vater hält viel auf Grundbesitz und Ehre. Meine Mutter schweigt in die Luft, dass mein Vater eigentlich mit der Ehre verheiratet ist, aber das würde sie nie laut sagen. Meine Mutter hat Angst vor meinem Vater. Mein Vater ist der ehrenwerteste Mann im Dorf, sagt mein Bruder Jurk. Jurk darf mit meinem Vater in das Dorf gehen und darf Geschichten hören, und kann immer erzählen, was…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Splitter.

    Gestern habe ich mir Bilder von dir angesehen, damals als du gerade erst volljährig geworden bist und dein Gesicht noch die Neugierde auf das Leben eingraviert hatte. Ich weiß noch, diese Bilder habe ich mir heimlich immer wieder einmal angesehen. Du warst so schön darauf. John Green hast du mir empfohlen, ich soll “Looking for Alaska” lesen, du warst meine Alaska. Das Foto von dir im Café auf dem du auf dein letztes Handy schaust hat sich mir eingeprägt. Häufig zeige ich dir Dinge, die mir sehr gefallen. Ich will dich in meinen Kopf schauen lassen, mein Wesen dir in kleinen Stücken darzureichen. Alles wäre wohl zu viel. Letztens hab…

  • Allgemein,  Projekt [txt]

    [txt] entdecken.

    Ich weiß noch, damals, ich war wohl kaum älter als acht Jahre, hat mir mein Opa voller Stolz seinen SS-Ausweis gezeigt. “Schau, das waren noch schöne Zeiten”, hat mein Opa gesagt, in seinen Bart hinein, unter welchen er sonst sehr viel Gram versteckt hielt. Mein Opa hat mir oft von den schönen Zeiten erzählt. Der “Kristallnacht”, so als wär es Weihnachten für ihn gewesen. Der  “Hasenjagd” und wie toll es war, soviel Ungetier zu jagen. Manchmal hat er auch Mensch-ärgere-dich-nicht oder ein Kartenspiel mit mir gespielt. “Spiel nicht immer wie ein Jud”, hat er mich geneckt und mich dann angehalten ein “Ich bin kein Scheißjud” zu schreien, mitten in das…

  • Projekt [txt],  Prosa

    [txt] Alkohol.

    Die einzigen Bilder, die ich von dir habe zeigen dich mit einer Flasche Bier. Du mit mir an Weihnachten und die Flasche Bier, du mit mir an Ostern und die Flasche Bier, du mit mir, meiner Geburtstagstorte, Geschenken und die Flasche Bier. Ich hatte die Flasche Bier als vollwertiges Familienmitglied akzeptiert gehabt. Familienmitglieder muss man gut behandeln, hast du immer gesagt, als du dir zum Frühstück eine Flasche aufgemacht hast. Für mich Kakao, für dich Bier. Du warst sehr nett zu mir immer, manchmal hast du den Rest übrig gelassen, für deine Kleine. Ich habe Bier nicht gemocht, aber ich wollte dich nie enttäuschen. Dein Geruch nach Schweiß und Bier…

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  • Projekt [txt]

    [txt] Fernweh.

    All diese deine Fehler und die Suche nach dem Meer bloß deine Ohren rauschen wie wenig außer einer Vorstellung und durchgelatschten Schuhen bleibt. Deine Arme sind so lang du umarmst regelrecht die Welt ich wünschte du würdest davon erzählen wie du die Strecken zu mir aus den Gleisen reißt. All deine Trauersprache packst du in einen Lederkoffer heute lässt du dir neben Bart auch ein Schweigen stehen und läutest bei meiner Tür. Dein Fernweh hört nur auf wenn du zwischen meinen Beinen liegst und mir Seite um Seite ein Stück von deiner Welt in meine Öffnungen füllst. Jedes Mal, wenn ich an dich denke entsteht in mir ein neues Loch…

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