Projekt [Sterbenswörtchen]

[Sterbenswörtchen] Isabella Feimer.

Meine erste Interviewpartnerin für das Projekt Sterbenswörtchen ist Isabella Feimer, Wiener Autorin und Regisseurin. 2012 war sie Gast bei den Bachmanntagen, gewann mit ihrem ersten Buch “Der afghanische Koch” gleich den 2. Platz des Literaturwettbewerbs der Akademie Graz, welcher 2013 im Septime Verlag erschien. Es folgten viele weitere Bücher, wie “In Erwartung einer Fremde”, später der Science Fiction Roman “Stella Maris”. Letztes Jahr erschien die Erzählung “Monster” im Limbus Verlag. Isabella ist eine vielbeschäftigte Dame, neben den zahlreichen Schreib- und Schauspielworkshops, schrieb sie unter anderem auch den Gedichteband “Tiefschwarz zu unsichtbar”. Es gibt noch viele weitere literarische Veröffentlichungen. Es lohnt sich bei den Links unten nachzusehen! Isabella war so nett, sich auf einen Wordrap zum Thema Tod und Sterben einzulassen.

Was bedeutet der Tod für dein Schreiben?

Tod, Du, einzige Unausweichlichkeit, findest Dich als solche auch in meinen Zeilen, in ihnen und dazwischen, in den Leerstellen, die ein Abstand sind, leserfreundlich dann doch nicht, wenn Du in ihnen schlummerst. Früh habe ich Dich gebraucht für mein Schreiben, immer als Gegenpol, um mich und meine Figuren gegen Dich stemmen zu können, meine/ihre Lebenslust, mein/ihr Verlangen, die Lebenszeit in Fülle zu kleiden, manchmal zu verkleiden. Du bist, gepaart mit Einsamkeit, die Konstante meiner Literatur. 

Wie politisch ist der Tod?

Tod, Du, glaubst auch nur, dass Du ein Politisches bist, bist es aber nicht, nur Dein Abbild ist es, Deine Propaganda, Abbild, das verwendet wird, um einzuschüchtern, abzuschrecken, auch um die Kostbarkeit des Lebens herauszustreichen, im Sinne des Konsums, der sich ebenso mit den Blüten der Unausweichlichkeit verziert. Nein, Tod, Du, kannst kaum privater sein, bist dieses kleine Zimmer, das nur dem Einzelnen gehört, the room for one´s own.

Wie wirkt der Tod in sozialen Medien?

Schleichst Dich überall von hinten an, schleichst Dich hinein in pixelige Spiegelbilder, mit oder ohne Selfiestick, in das schönste Mittagsmahl, den prall gedeckten Tisch umrandet von den stylishten Kleidern. Du bist das Anwesende, doch niemand will Dich sehen, und selbst, wenn Du gesehen wirst, bist Du mit dem nächsten Spiegelbild vergessen. 

Quelle: Isabella Feimer.

Was bleibt von Menschen, wenn sie nicht mehr sind?

Tod, Dein schlimmster Feind ist die Erinnerung. 

Was bleibt, wenn du gehst? Was geht, wenn du bleibst?

Tod, Du, auch meine Erinnerung, die zumindest, die aufgeschrieben ist, wird sich Dir entgegenstellen, solange bis Papier zerfällt und sich alle Daten löschen – ach, das hätte ich nur gerne, hätte gerne, das Fantasie von mir übrig bleibt, mein Fantastisches, das ich nicht nur Dir, nein auch der Welt, den Aspekten, die ich gar nicht mag, entgegenschleudre. Was bleibt, wenn ich gehe? Vermutlich realistisch nichts. Was geht, wenn ich bleibe? Alles. 

Welches Kunstwerk (Buch,Film,Text, Musik, Bild) drückt den Tod am besten aus?

Verkleidungskünstler/In bist Du, Tod, bist in allen Seelen und manche Seelen verwandeln Dich in Töne, manche malen Dich und spielen Dich und schreiben Dich und sprayen Dich und zeigen Dich in Formenvielfalt der ganzen Welt, nicht wahr? Ich sah Dich oft, doch selten in solch tränenbringender großtraurigkeitevozierender Manier wie in Picassos „Guernica“.

Wie viele Tode kann man sterben?

Verkleidungskünstler/In erneut, bist Tod nicht nur dann, wenn jemand stirbt, der einem ins Herz gewachsen ist, bist auch Tod dann, wenn etwas Schönes endet, eine Liebe, eine Reise, ein Orgasmus, ein guter Film, ein großes Buch. 

Welchen Zustand hat der Tod?

Du bist gletscherkalt. Du bist lawaheiß. Du bist Nebelschleier. Du bist Wolkenkratzer. Du bist ein Ruinenrest. Du bist Himbeeren, die schon schimmeln. Du bist Wein, der viel zu bitter schmeckt. Du bist nicht kugelsicher, auch nicht feuerfest. Du bist Wasser, mit dem sich langsam eine Lunge füllt. Du bist regenbogenfarben. Du bist unsichtbar. 

Inwieweit beeinflusst der Glaube/Nichtglaube den Tod?

Tod, Du bist, ganz egal, woran ich glaube oder nicht. 

Was bedürfe einer Änderung in der Welt bevor man geht?

Du bist Unausweichlichkeit, vieles andere nicht, wirst einmal zu mir kommen, und ich werde mit Dir gehen, vieles andre nicht. Du fragst mich, was ich ändern würde, ich frage keck zurück, womit beginne ich? 

Isabella kann man auch hier finden, ihre Bücher sind in folgenden Verlagen erschienen:

Homepage // Bräumüller Verlag // Limbus Verlag // Literaturedition Niederösterreich // Septime Verlag

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