Buchrezensionen

Fünf Bücher, die Madame so im Februar gelesen hat.

Auch wenn ich eine Woche Urlaub hatte im Feburar, war ich weit davon entfernt, mehr Bücher zu lesen als im Jänner. Es war sogar eines weniger. Das ist schade, ich würde gern mehr Energie zum Lesen haben, aber ich schlafe so häufig ein, während ich ein Buch lese. Spoiler: Der März wird nicht viel besser. Fünf Bücher waren es trotzdem im Februar, welche das waren und wie sie mir gefallen haben, findet man nun in den nächsten Absätzen.

1/5 Herta Müller – Atemschaukel

Über das Buch bin ich sehr glücklich. Ich hatte es vor zwei Jahren verborgt und nie wieder zurückbekommen. Aber dann fand ich das Buch in einer Tauschzelle für Bücher – und es ist eine noch viel schönere Ausgabe! Letztes Jahr habe ich ja Herta Müller getroffen und sie ist mein Krafttier geworden – damals hat sie von ihrem Freund Oskar Pastior geredet, der zwangsinterniert wurde. Ihre Notizen führten zu diesem Buch. Müller musste das Buch alleine fertig schreiben, weil Pastior in der Zwischenzeit verstorben war. Die Trauer merkt man dem Buch an.. Neben der Trauer, die sich über das Buch spannt, sind Heimweh und Hunger sehr zentrale Motive. Müller erzählt die Geschichte von Leopold Auberg, ein Alter-Ego von Pastior, wenn man zwischen den Zeilen liest. Die Figur des Hungerengels hat mich sehr bewegt, ebenso wie die Figur der Platon Kathi, eine mehrfach behinderte Frau, die ebenso im Lager zwangsinterniert war. Das Buch machte mich frierend und ließ mich erahnen, was in Europa gerade ein paar Jahrzehnte zuvor passiert war.

Rating: 10/10

Quelle: Verlagsseiteh


|Information| Herta Müller | Atemschaukel | S-Fischer Verlag | 304 Seiten |20,50 €

2/5 Doris Knecht – Gruber geht

Den Film wollte ich mir eigentlich im Kino ansehen, als er noch in den Kinos zu sehen war. Aber nachdem ich immer etwas zu late too the parties bin, habe ich jetzt einige Jahre danach das Buch gelesen. Was hat es mich amüsiert. Gruber ist ein misogyner, unempathischer Mensch und trotzdem mag man ihn. Seine unkontrollierte Wut, der Krebs, der ihn schlussendlich zwingt, sein Leben zu ändern, man muss nur lesen und grinsen. Verliebt hab ich mich in Grubers Schwester Kathi, die mir in vielen Dingen ähnlich ist. Aber am Besten war: Die Unfähigkeit zu Kommunzieren festgehalten zu haben, was ein großes Manko unserer Zeit ist. Nur manchmal fand ich den Perspektivenwechsel etwas verwirrend.

Rating: 8/10

|Information | Doris Knecht | Gruber geht | Rowohlt Berlin | 240 Seiten | 17,50 €

3/5 Karine Lambert – Das Haus ohne Männer

Ein Haus ohne Männer, Frauen, die der Liebe abgeschworen haben und ihr Glück zwischen Yoga, Theater und Bücher suchen, ein Kater, der alleine zwischen fünf Damen leben darf. Ein junges Mädchen, das die Liebe noch sucht, aber vorgibt, es nicht zu tun, in einem Haus mitten in Paris. Klingt gut, könnte lustig sein? Ja, dachte ich mir auch. Also wird das Buch vom letztjährigen Gewinnspiel gelesen. Aber: Es war eine pure Enttäuschung für mich. Es hätte lustig sein können, mich zum Schmunzeln bringen können, es hätte eine Komödie werden können, die den französischen Klamaukfilmen ähnlich sein könnte. Aber stattdessen die Botschaft zwischen den Zeilen: Eine Frau kann ohne Mann sowieso nicht glücklich sein, und wenn sie es wagt, dann verfällt sie dem Alkohol oder wird krank. Emanzipation geht anders. So schade, weil das Thema einiges hergegeben hätte. Man hätte starke Frauenbilder zeichen können. Aber davon war wenig zu finden.

Rating: 4/10

Quelle: Randomhouse

4/5 Sylvia Plath – Die Glasglocke

Die Glasglocke bzw. The Bell Jar stand schon lange auf meiner Lesewunschliste. Sylvia Plath hat mich noch nie enttäuscht und hat es auch nicht mit ihrem einzigen Roman. Sylvia Plath schreibt über eine junge Frau namens Esther Greenwood, dass mit der Welt überfordert ist, aber definitiv weiß, dass sie nicht heiraten will und Kinder bekommen möchte. Sie verfällt nach der Heimkunft von einem Studienaufenthalt in eine tiefe Depression. Plath beschreibt, wie das Leben in der Psychatrie ist. Buddy Willard als verhasster Jugendfreund, ein frauenverachtender Marco tun ihr Übriges, um diesen Roman als weiblichen Bildungsroman wohlwollend aufzunehmen. Es ist eine Erklärung für das Frauenbild der 50iger Jahre, eine amüsante Beschreibung einer jungen Frau, die ihr Leben unter einer Glasglocke verbringt. Ja, ich habe das Buch genossen und ja, es ist erschreckend, wie wenig sich geändert hat in Bezug auf Geschlechterrollen. Hätte Plath gewusst, was unter dem Begriff Alphagame gemeint ist, sie hätte ihn wohl verwendet. Mühsam fand ich die Einführung der alten Damen zum Schluss des Buches, ich hätte keine neuen Personen mehr gebraucht. Die Geschichte hätte auch so Sinn ergeben.

Rating: 8/10

Quelle: Suhrkamp

|Information| Sylvia Plath | Die Glasglocke | Suhrkamp | 244 Seiten | 23,60€

5/5 Raoul Eisele – Morgen glätten wir Träume

Ich war neugierig, was ein Freund meinerseits so für Bücher schreibt. Raoul habe ich schon auf meinem Blog interviewt (kann man hier nachlesen) und nun habe ich seinen Gedichteband gelesen. Mag sein, dass man prinzipiell die Dinge fancy findet, die der eigenen Generation angehörig sind, aber ich mochte die Lyrik. Es war ein guter Ausgleich zu der Prosa, die ich diesen Monat gelesen habe (ich merke den Hang zu dramatischen Büchern auch selbst) . Manche Metaphern habe ich nicht verstanden, und das hat für mich die Qualität des Lesens geschmälert. Aber ich frage ihn bestimmt, was er damit gemeint hat 😉

Rating : 9/10

|Information| Raoul Eisele|morgen glätten wir träume | Edition Yara | 40 Seiten | 5 € (soweit ich weiß leider vergriffen – ich hab das letzte Exemplar, ha!)