Buchrezensionen

[review] Warum Jungen nicht mehr lesen. | Katrin Müller-Walde

Buch

Was du hier siehst, Daniel, ist ein geheimer Ort, ein Mysterium. Jedes einzelne Buch hat eine Seele. Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seele derer, die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben.

Ein Buch lesen? Die Journalistin Katrin Müller-Walde hat so eine These: Jungs lesen nicht gerne und man sollte dringlichst etwas daran ändern, damit die Leseknicks in den Biografien der Jungen verschwinden. Mädchen lesen meistens gerne, aber die Jungs brauchen Förderung. Die Jungen? In Zeiten wie diesen, in denen das Thema Gender so wichtig ist? Müller-Walde wagt trotzdem das Buch, teilt es in drei Teile: Die Problematik,  das Lösen der Problematik und 50 Büchertipps von Jungs für Jungs zwischen 11 und 18 Jahren.  Anbei noch Regeln für andauerndes Lesen und die Frage ob ein gutes Buch für Erwachsene ein gutes Buch für Jugendliche ist. Ein Band, der erstmals 2005 erschienen ist und in der Neuauflage von 2010 vorrätig ist.

Autorin

Katrin Müller-Walde (*1964) in der ehemaligen DDR
ist diplomierte Volkswirtin und Senior-Business-Coach, auch deutsche Journalistin
schrieb das Buch in Bezug auf ihren Sohn Tilman,
arbeitet bei Phönix, ARD und ZDF als Journalistin

Ansicht

Um die Gender-Problematik der Leseförderung etwas herausarbeiten zu können, ward es mir aufgetragen worden auch dieses Buch zu lesen. In etwa 180 Minuten hatte ich das Buch gelesen und hab Abseits der Gender-Problematik festgestellt, dass junge Menschen anders lesen wollen als erwachsene. Das Leseförderung, besonders institutionalisierte, häufig nicht die Lesewelten der Jugendlichen aufgreift. Die Erkenntnis, dass Lektürepraxis der Vorbilder nicht greift, wenn Bücher in der Peergroup ein schlechtes “soziales Image” haben.  50 Buchtipps, bei denen ich mindestens die Hälfte selbst in dem Alter gelesen hatte, auch wenn ich kein Junge bin.  Die Erkenntnis, dass es nicht nur ein Buch braucht, das Jungen in der Leseförderung unterstützt, sondern beide Geschlechter. Dass es sinnvoll wäre, wenn Bücher von Jugendlichen für Jugendliche empfohlen werden würden. Dass es großartig wäre, wenn das Internet dazu da wäre, das soziale Image von Büchern aufzubessern. Dass das Buch, nachdem es vor 13 Jahren geschrieben wurde, dringend eine Überarbeitung und Neuauflage bräuchte. Weniger spitz formuliert, wissenschaftlicher. Weniger nach Aufmerksamkeit heischend, ruhiger. Ja, ich denke auch, dass es eine Problematik mit dem Lesen gibt bei jungen Menschen. Dass man aber dabei das Thema “Bildungsferne Haushalte” nicht so ausklammern sollte. Wer Lesen will, braucht dementsprechend eine Leseinfrastruktur. Die ist Jugendlichen nur gegeben, wenn sie entsprechendes ökonomisches und soziales Kapital haben. Egal ob Junge oder Mädchen.

InformationWarum Jungen nicht mehr lesen - Katrin Müller-Walde

Katrin Müller-Walde
Warum Jungen nicht mehr lesen und wir wir das ändern können
Campus Verlag
Preis (E-Book): 14,99 €