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[review] Die beste aller Welten | Adrian Goiginger

Der Film

Stell dir vor, du bekommst die Möglichkeit das Leben aus der Sicht eines Kindes zu erleben und darfst eine Zeitreise zurück in die 1990iger Jahre machen. Klingt großartig, nicht? Adrian lebt mit seiner Mutter Helga in Salzburg. Adrian möchte Abenteurer werden, und erlebt seine Abenteuer im Traum: Er erfindet einen Helden, welcher mit Pfeilspitzen und Bogen ausgestattet ist, um Gestalten, die an Ketten gefesselt sind, Herr zu werden. Sonst erlebt Adrian seine blaue Wunder: Der Grieche (eigentlich Michi) zwingt den Siebenjährigen zu Trinkspielen, seine Mutter verschwindet immer wieder ins Schlafzimmer und ist danach immer ganz anders als vorher. Adrian versteht nicht wieso, doch für den Zuseher wird klar: Seine Mutter ist heroinabhängig, genauso wie ihr Lebensgefährte und der gewaltbereite Grieche, der praktischerweise Dealer ist.  Adrians Abenteuer bekommen einen bitteren Beigeschmack und es wird zunehmens deutlich, dass der Junge in der Hölle auf Erden wohnt und man wünscht sich Minute für Minute mehr, dass dieses Leben für Adrian eine Wendung nehmen muss…

Der Regisseur

Aus dem Jungen wurde tatsächlich ein Abenteurer. Er ist der Regisseur dieses Filmes und beschreibt seine eigenen Lebensgeschichte. Adrian Goiginger ist ein junger Filmschaffender, gerade mal 26 Jahre jung. Vor drei Jahren gründete er eine Filmfirma mit Freunden, schließlich ging er nach Baden-Würtemberg und studierte dort szenische Regie. Seine Begabung kleinen Dingen viel Raum zu geben führten schlussendlich dazu, dass sein Film “Die beste aller Welten” bei der Berlinale mit dem Kompass-Perspektive-Preis ausgezeichent wurde.

Die Ansicht

Den Film habe ich mir angesehen, weil er schon ewig im Lieblingskino läuft und ich mir dachte, wenn er schon eine Auszeichnung bekommen hatte, wäre es eine Verschwendung ihn nicht zu sehen. Womit ich nicht gerechnet hatte: Dass es so ein realistischer Film werden würde, dass man sich immer wieder fragt, ob das echte Junkies sind, die in dem Film mitspielen, dass man sich mehrfach fragt, warum sich ein Regisseur das antut, seine Lebensgeschichte so aufzurollen. Gesagt sei: Es waren mitunter unbekannte, salzburger Schauspieler/-innen wie Verena Altenberger, die den Film authentisch machen. Es ist wohl mein beruflicher Alltag, mit dem die Tragweite des Films überhaupt aushaltbar ist, es ist die stoische Überforderung, mit der man täglich konfrontiert ist und auch wieder nicht. Es ist die sensible szenische Zeichnung, die den Film ertragbar macht und die unbändige Hoffnung des jungen Schauspieler Jeremy Miliker, die einen selbst hoffen lässt, und doch: ein zerstörerischer Film auf ganzer Ebene, sah man doch wie geknickt die Menschheit aus den Kinosäalen strömte.

Die Information

Adrian Goiginger
Die beste aller Welten
Erscheinungsjahr 2017
Salzburg

 

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