Allgemein,  Projekt [Parablüh]

#Limbus

Limbus ist das fünfte Gedichte in Cornelia Travniceks Gedichteband “Parablüh” und befasst sich mit dem Gedicht “The Eye-Mote” von Sylvia Plath.

Das Gedicht von Sylvia Plath (weiter unten als Referenz angegeben) befasst sich auf erster Ebene mit Pferden, die beobachtet werden und alsbald ein Staubkorn in das Auge des Betrachters fällt, die verschroben wahrgenommen werden und ein furchteinflößendes Abbild ihrer selbst bleiben. Abstrahiert betrachtet könnte das Gedicht so interpretiert werden, dass die Vergangenheit den Blick auf die Zukunft verändert und man Opfer seiner verzerrte Wahrnehmung der Gegenwart ist. Das Gedicht selbst schrieb Plath aufgrund einer damals aktuellen Verletzung, bei welcher sie einen Holzsplitter in das Auge bekam und Wochen brauchte, um diese Verletzung auszuheilen. Das Gefühl, eine verzerrte Wahrnehmung zu haben, verarbeitete sie schlussendlich mit diesem Gedicht.

Mein Zugang zu Cornelia Travniceks dazu referierenden Gedichtes “Limbus” war zunächst den Titel für mich erklärbar zu machen. Limbus bedeutet im historischen Kontext gesehen Grenze, Rand, Saum, kirchenhistorisch wird Limbus häufig als Begriff für die Vorhölle verwendet. Eine Doppeldeutigkeit ist dem Begriff Limbus ebenso gegeben, da dies medizinisch mit “limbus palpebralis” auch den Lidrand des Auges meint.

Die Interpretation beider Gedichte lässt den Rückschluss zu, dass Limbus zu einem als Grenze für das geistige Auge gemeint ist, aber auch als Referenz zum Auge selbst, begreifbar in Versen “aufgeräumt versteckt unter dem Lid”, “Deine Pupille weitet sich” und “Man kneift dich ins Auge”.

Eine weitere versteckte Referenz dazu ist das Wort “carotabus”, welches im Gedicht als Zauberwort definiert wird. “Carotabus” meint aber auch den lateinischen Dativ und Ablativ der Karotte, der eine/-n sofort an die Binsenweisheit “Wer viele Karotten isst, sieht gut” denken lässt.

Dem geistigen Auge Grenzen zeigend waren vorrangig die Metaphern “Bist du noch da, bist du noch ganz?” und “sich morgens im Spiegel ansehen und sich egal sein.” Meines Erachtens geht es um die Grenzen der eigenen Achtsamkeit, nach der Frage, wie man unversehrt bleibt – ein Stück weit zumindest. Diese Unversehrtheit wird auch spürbar in Worten wie Wirbel und Strömungen, die die Armbeuge hochschlagen – das Blut als Symbol für die Unversehrtheit des Menschen.

Eine weitere Grenze des geistigen Auges ist für mich der Abschied des “Lyrischen Du”, merkbar durch den Vers “Ich vergilbe dir.” Eine Erinnerung, die vergilbt wie ein Foto  – verkettet zu der Wortgruppe “schneeiges Bild” – ein Bild in schwarz und weiß und eine Referenz zu Plath, die von “bad monochrome” spricht.

Die Pferde in Cornelias Gedicht lassen sich zu einem als Referenz zu Plath verstehen, aber auch als Referenz eines Ich-Bewusstseins, welches bei Pferden anhand von Spiegelexperimenten noch nicht nachgewiesen werden konnte, aber das Sehen nicht unbedingt der Leitsinn von Pferden ist, ganz im Gegenteil zum Gedicht.

Besonders schmerzhaft ist der Vers “Geh nicht […] hinter deiner Stirn”, eine Grenze zum Äußeren, zur Grenze eines anderen Menschen, welchen einen nicht in den Kopf blicken lässt.

Referenzen:

// Limbus. Parablüh. Hier (unter dem Titel Limbo) in einer englischen Übersetzung abrufbar.

// The Eye-Mote. The Collossus. S.16-19. Hier im englischen Original lesbar.