Projekt [Parablüh]

#Parablüh

Parablüh ist das zweite Gedicht in Cornelia Travniceks “Parablüh”. Sie selbst hat diesen Titel des Gedichtes zum Titel des Buches gemacht – Grund dafür, dass dies ein Neologismus ist und nun neu in dieser Welt zu verorten ist. Auch der Klang ist sehr wohlfeil.

Ich habe dieses Gedicht für mich selbst in Sinnesgruppen eingeteilt und für mich betrachtet, was das Gedicht mich riechen, fühlen, schmecken, sehen und tasten lässt.

Beim Geruch habe mich mir den Kohl gut vorstellen können, auch die trockenen Knochen, das zurückgelassene Bein. Beim Hören konnte ich mir die Bodenverfestigungen, den Kokon im Wind, den Hund, den Fuchs und Hase, als auch die Mutter vorstellen. Das Sehen schließt obiges bereits mit ein und wird durch ein Insekt auf den Wimpern, einem Raubvogel, einem dunkeln Blau ergänzt. Sehr fühlbar ist der Regen, das tote Gebein und das zerbrechliche Kind.

Das Gedicht hat 2 Strophen und eine zweizeilige Verszäsur. Bizarr wirkt es, als der Hund den Knochen anbietet: Sofort kam mir die Frage in den Sinn, ob tot den gleich tot ist, und ob Tod als Angebot in diesem Moment seine Berechtigung erhält.

Sprachliche Ästhetik versprüht: “Kind taumelt auf der Spur eines Falters, blind für Haar und Gebein.” Plath formulierte weniger lebhaft, hier heißt es “Two people only are blind to the carrion army.” Das Kind als Symbol für Unschuld, Reinheit und den Inbegriff des Lebenden zu erheben, fand ich eine wunderbare Idee, zu einem es mich sehr an Alice im Wunderland erinnerte und ich mir das Wandeln auf der Spur eines Falters sehr gut vorstellen konnte.

Neu war für mich das Wort “Paraplui” – veraltet für Regenschirm. Diese Verballhornung ist hinreichend für Parablüh. Den Gedanken, dass Regenschirme in den Abendhimmel gepflanzt werden, fand ich entzückend.

Interessant war die “träumende Raupe” – hinlänglich für eine vollständige Metamorphose als Begleiter.  Tiere erscheinen im ganzen Gedicht als Begleiter und sie werden immer konkreter, zuerst wir bloß von einem Insekt geredet, später von Fuchs, Hase, Falter.

Am schönsten zu diesem Gedicht finde ich den Einband zum Buch. Regenschirme in einem dunklem, gesättigtem Blau – er wird auf jeden Fall eine optische Verschönerung meines Bücherregals herbeiführen.

Referenzen:

  • Parablüh S.8
  • Two Views of a Cadaver Room S. 8, hier lesbar.