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[txt] Habseligkeiten.

Sei leise. Nein, dreh auf, sei laut. Rede mit mir, Baby, aber schweig lieber, ich mag dich nicht hören, wenn du mir die Wahrheit sagst. Sag mir doch die Wahrheit, und wenn es geht, dann lüg’ mich etwas an. Schreib wie die Sargnagel, sei auch mal lustig. Wenn es geht, sei auch etwas ordinär, das turnt mich an, jetzt sag ich es dir ja. Nein, also vielleicht doch nicht, Ordinär-Sein passt nicht zu dir, nein, bleib wie du bist, sei traurig. Aber nicht zu traurig. Schreib nicht zu intellektuell, das mag niemand lesen. Schreib weiter so, wie du schreibst, das ist gut. Lass mich an dich ran, Baby, ich will tief in dich eindringen, zumindest in die Materie des Zweisinns. Geh weg, Baby, ich ertrag deine Nähe nicht. Ich brauch deine Nähe, lass mich auch traurig sein. Geh weg, ich bin heute so traurig. Lass uns nach draußen gehen, ich will dir die schrecklich schöne Welt zeigen. Nein, bleiben wir lieber da, die Welt ist doch grausam und schlecht. Das ist die große Liebe, das empfindest du auch, nicht wahr? Nein, das war bloß ein One Night Stand, du bist ja gleich gegangen, du wolltest alleine sein. Dann bleib alleine, sei aber lieber mit mir gemeinsam alleine, sei mit mir zusammen, aber nenn das bitte nicht Beziehung. Schreib mir bitte eine Nachricht, ich mag deine Nachrichten. Heute mag ich keine Nachrichten von dir lesen, das ertrag ich nicht, lass mal pausieren. Hast du den Film gesehen? Das muss unser Film werden, da sind die Schauspieler wie wir, nur wir sind echt. Wir sind nicht echt, oder hast du gedacht, dass wir tatsächlich echt wären? Das ist lächerlich. Wir sind nicht echt, aber damals in diesem einen Moment, da stimm ich dir zu, da waren wir ziemlich echt. Darf ich dir ein Buch schenken, ich möchte was, das dann bei dir im Regal steht. Nein, ich schenk dir kein Buch, du hast Recht, das wird dann zur Leiche im Buchregal und dann hast du eine Leiche herumstehen, das will ich auch nicht. Aber darf ich dir etwas schenken, ich will dir eine Leiche sein, oder halt da lassen, aber ich will auch, dass du mich vergisst, aber nicht ganz, hörst du. Ich bin so dankbar für dich, endlich ist das was Neues in meinen Leben, endlich hab ich wieder Hoffnung. Aber meine Ex, ja die, bei der hab ich auch Hoffnung, versteh das nicht falsch, ich kann sie wieder upgraden, wenn sie degradiert worden ist. Flieg mit mir in den Urlaub, sei so verrückt, setzen wir uns in den Flieger und fahr mit mir ans Meer, Baby, Nein, bleib da, ich will alleine fliegen, mit dir gemeinsam kann ich nicht fliegen, da flieg ich immer so hoch. Sei mal romantisch und nicht immer so depressiv und resigniert, das halt ich nicht aus. Hör auf, dein Sinn von Romantik der ist fürchterlich, ich hab schon Depressionen und du kennst sie ja, die Resignation, Baby. Geh weg, ich mag dich nicht mehr, und du bist hässlich, aber ich muss dir schon sagen, du hast die schönsten Augen, die ich je gesehen haben, aber das passt irgendwie nicht, es würde passen, es passt ja auch, im Paralleluniversum. Hör bitte Lieder, die dich an mich erinnern, und vergiss mich nicht, leg doch Playlists für mich an, Baby. Ich hör aber keine Lieder, die mich an dich erinnern, das wäre ja lächerlich. Aber ich hab schon so zwei Lieder, da weiß ich, da bist du damit gemeint, mit jeder Songzeile. Vergiss das lieber, pack deine Habseligkeiten, tu so, als hätte es dich nie gegeben. Ach, ich bin so froh, dass es dich für mich gegeben hat. Ich vergesse dich jetzt lieber, Baby, nimm die U-Bahn und fahr nach Hause endlich.  Aber zur Haltestation bring ich dich schon noch, damit du weißt, wo ich warte, aber du weißt ja, als würde ich warten, nein, das wäre kindisch, aber “Auf Wiedersehen” sag ich dir.