Allgemein,  Prosa

Radikalität und Ende.

If you walk away, I´ll walk away
First tell me which road you will take
I don’t want to risk our paths crossing some day
So you walk that way, I’ll walk this way

Ich sagte dir, dass es leichter ist über den Tod nachzudenken, als über die Zukunft. Du meintest, aber die Zukunft wäre schöner als der Tod. Wir stehen jetzt hier – du am Scheideweg Zukunft und ich auf dem Pfad des Todes. Du magst nicht mehr über den Tod nachdenken, und ich erzähle dir, wie großartig es ist, dass es etwas im Leben gibt, dass endgültig ist, nicht so unstet, nicht so wie die Zukunft, die bloß eine Unsicherheit um die nächste in den Weg legt. Die Zukunft ist soviel besser, willst du mir weismachen. Aber was kann man schon Positives einer Zeit abgewinnen, die noch nicht gekommen ist. Die Zukunft trägt die Altlasten der Vergangenheit mit sich herum.

And the future hangs over our heads
And it moves with each current event
Until it falls all around like a cold steady rain
Just stay in when it’s looking this way

Du fragst dich, ob sie glücklich ist, jetzt in deiner Gegenwart, sie geistert dir im Kopf herum, bis in die Zukunft. Du redest dir ein, dass es nicht so ist, weil du einen Kampf in der Zukunft gewinnen willst, der noch unaus/angefochten ist. Wenn jemand geht ist das immer schwer. Da stimme ich dir zu. Du gehst auch ständig. Zumeist der Frage, wie es weitergehen soll, so gerne aus dem Weg. Wir stehen am Drehpunkt, du auf dem Weg, der die Vergangenheit ständig mit allen Möglichkeiten in Betracht zieht und ich auf dem Weg, der weg von dir führt. Das möchte ich gar nicht, weil es anstrengend ist, Menschen aus dem Weg zu gehen und ihre Nähe zu vermeiden. Man geht Menschen ständig aus dem Weg, weil Enden so inadäquat sind und die Zukunft damit untragbar.

Im Laufe eines Lebens kommen mindestens ein Dutzend, zumeist mehr Menschen zusammen, die man meidet, weil die Zukunft mit ihnen unerträglich scheint. Dann hast du zwei Möglichkeiten: Du erträgst die Nähe und frierst dir jede einzelne Faser deines Herzens ab, und ich kann dir versichern, ich wagte den Versuch, und das ohnehin lädierte Herz fror zur Hälfte ein oder du gehst weg und versuchst dein Herz warm zu halten, weil es ohne diese Person plötzlich und ohne Unterlass zu gefrieren anfängt. So wie so fängt dein Herz zu frieren an und das sind die Schmerzen, die du dann fühlst, wenn jemand geht.

And the moon’s laying low in the sky
Forcing everything metal to shine
And the sidewalk holds diamonds like the jewelry store case
They argue walk this way, no, walk this way

Danach beginnt der Versuch, die Erfrierungen zweiten Grades abzuwenden, bevor sich Blasen bilden, die man ein Leben lang sieht. Du erwärmst deinen Kopf und verbrennst dir die Finger, du veranstaltest einen Feuertanz und erzählst kühn von deiner Vergangenheit und bezeichnest dich selbst als gebranntes Kind. Du spielst mit dem Feuer und hast mehrere Eisen gleichzeitig darin, nur das Eis, es verschwindet nicht.

Dann stehst du Drehpunkt zwischen dauerhaften Verbrennungen oder dem Erfrieren.

And there’s kids playing guns in the street
And ones pointing his tree branch at me
So I put my hands up I say “enough is enough,
If you walk away, I’ll walk away”
And he shot me dead

Wenn jemand geht tut das immer weh, versichere ich dir. Es gibt nichts, dass das Gefühl abwenden kann, aber was erzähl ich dir. Es kommt zu Erfrierungen dritten Grades, es bildet sich ein Schorf aus Selbstmitleid, Misstrauen und Pessimismus. Dann ist das Feuer nicht mehr heiß, und so sucht man nach dem Feuer in der Asche. Alles Hoffnung für die Zukunft verbrannt, die Zuversicht hat man aus den Herzfasern amputiert. Sie wird nun ewig fehlen.

I’ve grown tired of holding this pose
I feel more like a stranger each time I come home

(landlocked blues, bright eyes)

Bildquelle: pixabay