Allgemein,  Prosa

Unverhofft.

Ich verzweifle am Augenblick und hoffe doch zur gleichen Zeit das Beste, verliere mich in der Wut darüber, Hoffnung zu haben und Enttäuschung erneut zu tragen (wollen). In der Besinnung leben, dass es irgendwann wohl besser werden würde, wenn man den älter sei, und das schwarze Loch nicht tiefer werden würde, man rutscht in seinem Optimismus so leicht hinein. Der Optimismus ist der wahre Übeltäter jeglicher unerfüllter Hoffnungen. Kein Realist, und da könne man sicher sein, würde je so tief fallen, aber schwarz ist nicht gleich schwarz. So ist das Schwarz, das ein Optimist sieht durchaus schwärzer als das eines Pessimisten. Wer immer hell sieht, bleibt gar nichts anderes übrig, als dass das schwarz dunkler aussieht, als das Schwarz eines Menschen, der Tagein Tagaus schwarz sieht. Ich höre den Regen und denke an Hoffnung und weiß doch, dass erfüllte Hoffnungen ein rares Gut sind. Erfüllte Hoffnungen werden zum Moment und dann zur Erinnerung. Alles im Leben verhält sich so bei näherer Betrachtung. So waren wir dereinst zur erfüllten Hoffnung geworden, und waren alsbald ein großer Moment und verblieben jetzt in Erinnerung. Wo ist Hoffnung, wenn sie erfüllt ist? Sie verfällt, zerbricht im selben Augenblick, in dem sich sich erfüllt hält, Hoffnung existiert, in dem sie nicht existiert. Hoffnung trägt Angst und Vorfreude zugleich, und ist ein dreckiger Spieler, das Ass ist immer die andere Seite, auf der man gerade steht.
Hoffnung ist das wahre Gefängnis, sie quält so gerne und kann gleichzeitig ihrer kaum entziehen, die Anziehungskraft ist ungeheuerlich groß und man erweist ihr sogar noch Ehre.
Man weiß nicht, was denn schlimmer ist, die erfüllten Hoffnungen, die sich selbst und mich brechen oder die unerfüllten Hoffnungen, die jede Erwartung brechen und schlussendlich mich.
Ich lebe in Verzweiflung, weil es Hoffnung gibt und hoffe, nicht permanent verzweifeln zu müssen.

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