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[review] Mostschlinge | Helmut Scharner

[review] Mostschlinge | Helmut Scharner Posted on 28. Februar 2018

Das Buch

Hans Mayer hastete die Treppen hoch und schloss die Eingangstür auf, kurz danach hatte er die Bestätigung: Ihr Küchenfenster an der gegenüberliegenden Straßenseite war hell erleuchtet.

Hans Mayer möchte auf seine Schwester aufpassen. Muss auf seine Schwester aufpassen. Das hat ihm seine Mutter so aufgetragen, seit damals, als die schrecklichen Morde in Waidhofen an der Ybbs passiert sind. Manchmal noch verschlägt es ihn zurück in die alte Heimat, die nicht zur Ruhe kommen will: Es werden reihenweise tote, sehr sportliche Frauen gefunden, die allesamt mit Schuhbändern erdrosselt wurden. Auch Hans‘ Exverlobte Juliana Haidinger muss leiden: das jüngste Opfer ist ihre Mitbewohnerin Monika Steiner. Kommissar Brandtner aus Wien reist an, um die Mordfälle gemeinsam mit dem jungen Postenkommandanten Reitbauer aufzuklären. Dabei ist allein Beteiligten nicht klar: Sie alle kennen den Mörder bereits…

Quelle: Gmeiner Verlag

Der Autor

 

Helmut Scharner (*1975 in Niederösterreich)
ist Sales Manager für einen großen österreichischen Stahl-Konzern
lebt mit seiner Familie im Mostviertel
hat über 50 Länder bereist
Mostschlinge ist sein zweiter Roman
Scharner schreibt gerade den Abschluss zur Most-Trilogie

 

Die Ansicht

Der erste Teil wurde im Weihnachtsurlaub gelesen und auch hier dazu eine Rezension verfasst. Es war also klar, dass der zweite Teil gelesen werden musste. Ja, und er ist so großartig geworden. Die Dramaturgie des Buches ist wunderbar umgesetzt und es ist unglaublich spannend zu lesen (ich hätte deswegen beinahe meine Zugausstiegshaltestelle übersehen, weil ich so vertieft war). Es ist sehr erfreulich die altbekannten Protagonisten wiederzusehen: Juliana Haidinger, die in dem Buch weitaus mutiger wurde; Hans Mayer, der in seiner Zeichnung noch interessanter wurde, weil nicht mehr klar ist, ob er zu den „Guten“ oder zu den „Schlechten“ gehört. Er ist mit seinem Grenzgängertum mit Abstand am interessantesten. Besonders erfreut war ich, dass Kommissar Brandtner schon zu Beginn des Buches auftaucht und diesmal durch innere Monologe viel menschlicher wurde als im ersten Buch. Die Orte sind diesmal noch viel klarer ausgewiesen – es ist daher für Einheimische noch amüsanter und spannender zu lesen. Besonders mochte ich den Überraschungsmoment in diesem Buch, mit dem ich absolut nicht gerechnet gehabt habe, den ich aber an dieser Stelle nicht verraten möchte. Weniger mochte ich, dass die beschrieben Sex-Szenen sehr auf die Sicht von Männnern zugeschnitten sind, ich würde mir im dritten Teil wünschen, dass Frauen gleichberechtigter beschrieben werden. Doch trotz alledem hat Scharner mit seinem zweiten Buch bewiesen, dass er sein Handwerk ein Stück mehr perfektionieren konnte. Der Spannungsaufbau lässt sich kontinuierlich auf 300 Seiten verfolgen, die Figuren sind allesamt viel feiner herausgearbeitet und das Buch ist durch die Innenwelten sehr spannend geworden. Ich freue mich schon sehr auf den dritten Teil.

Die Information

Quelle: Gmeiner Verlag

 

Helmut Scharner
Mostschlinge
Gmeiner Verlag
321 S.
Preis: 13,40€ (Taschenbuch)