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[review] Das Wundersame in der Unwirtlichkeit. | Marlene Streeruwitz

[review] Das Wundersame in der Unwirtlichkeit. | Marlene Streeruwitz Posted on 2. Januar 2018Leave a comment

DAS BUCH

Zu Beginn. Wir werden in diesen Vorlesungen Literatur sprechen und nicht über Literatur reden. Marlene Streeruwitz

Erster Satz dieses Buches. Er macht neugierig. Literatur sprechen, nicht darüber reden. Literatur sein, Literatur werden. Marlene Streeruwitz schreibt fünf Vorlesungen nieder – hält sie in Rahmen der Paderborner Gastdozentur letzten Jahres. Doch worum gehts?

Die Autorin hält ihre Beobachtungen in fünf Kapitel fest: Frozen I – Frozen V. Beobachtungen wie künstliche Intelligenz die Literatur der Spätmoderne verändert, wie Disney sein eigenes Weltbild transportiert, wie Disney es geschafft hat, Kreativität zu industrialisieren. Sie stellt sich der Frage, was aus Märchen passiert – wenn sie kommerzialisiert werden und wie sich das auf das Frausein auswirkt. Wie der Klappentext dies treffend formuliert:

Technische Möglichkeiten und künstliche Intelligenz verändern nicht nur unseren Umgang mit der Welt, sie formatieren auch unseren Blick auf Kunst und Literatur neu. Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit wurde längst durch jenes der digitalen Kunstproduktion abgelöst, in dem gigantische Medienunternehmen Weltmacht beanspruchen. »Technische Aliens werden Romane schreiben können. Welche Romane sollen das sein? Welche Literatur könnte das sein?« Das zu bestimmen ist unsere Aufgabe. Marlene Streeruwitz verbindet in ihren Poetikvorlesungen eine kritische Analyse von Kunst und Gegenwart und formuliert ein Plädoyer für den Aufruhr in der Literatur.

DIE AUTORIN

Quelle: standard.at
  • Marlene Streeruwitz (*1950 in Baden bei Wien)
  • Studium der Slawistik und Kunstgeschichte
  • Freie Texterin, Autorin, Journalistin und Regisseurin
  • literarisch tätig ab 1986
  • lebt in Wien, London und New York

DIE ANSICHT

Streeruwitz schreibt aussagekräftig, leitet deduktiv her, dass einem Hören und Lesen vergeht. Sie verwendet Beispiele, die jede/r kennt und zeigt neue Betrachtungspunkte, die einem so nicht in den Sinn kämen. Besonders beeindruckt hat mich die Darlegung des Disney Filmes Frozen. Die Betrachtung, dass der Vater von Elsa als Entscheidungsmacher in den Vordergrund tritt und man es als Frau, in diesem Falle Elsa, zu dulden hat, war durchaus neu. So schreibt Streeruwitz:

Es erinnert alles wieder an die Einsamkeit der Hausfrau der fünfziger Jahre. Jene Hausfrau ist das, deren Geduld und Stillhalten ihre Töchter die Frauenbewegung gründen ließ.  (Streeruwitz 2016, S.97)

Folgendes Zitat hat sich mir besonders eingebrannt:

Dass ein Trauma die Innenwelt der traumatisierten Person so verwirbelt, dass nie wieder zu der Person davor zurückgekehrt werden kann. (Streeruwitz 2016, S.48)

DIE INFORMATION

Quelle: Verlag S. Fischer.

Marlene Streeruwitz

Das Wundersame in der Unwirtlichkeit.

S. Fischer

Preis 16,50€ (gebundene Ausgabe)

128 S.

 

 

Bildnachweis.

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