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[Sterbenswörtchen]: Emma denkt.

[Sterbenswörtchen]: Emma denkt. Posted on 27. Oktober 2017

Wer sind diese großartigen Autor/-innen, die hie und da ein Sterbenswörtchen verlieren?  Soviel sei gesagt: ihr Lebensmotto ist “Emotionen sind Herdentiere”. Sie hat schöne Emotionen, die Michèle von Emma denkt. Regelmäßig lässt sie anteilhaben über die Liebe, das Leben, Halbwahrheiten, frei erfunden und doch vom wahren Leben erzählend. Täglich postet Emma denkt neue Texte hier auf Facebook. Im Dezember 2015 erschien das Buch »Emma denkt. – Emotionen sind Herdentiere. Eine Auswahl gesammelter Texte« in Eigenregie als limitierte Kleinauflage war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und auch die Zweitauflage war alsbald vergriffen. Emma arbeitet gerade an ihrem zweiten Buch. Trotz der vielen Arbeit hat Michèle die Zeit gefunden, mir meine Fragen zu beantworten:

Was bedeutet der Tod für dein Schreiben?

Tod im Sinne von Vergehen, sich Wandeln und Loslassen, der gleichzeitig bestehenden Sehnsucht danach und Angst davor spielt in meinem Leben und entsprechend auch in meinem Schreiben eine Rolle. In den Texten, die ich verfasse, ist Tod meist eher unkonkret und metaphorisch Thema.

Wie politisch ist der Tod?

Im Allgemeinen mitunter sehr, im Konkreten vermutlich kaum. Für mich gibt es im Grunde drei Arten von Tod – erstens jener, der irgendwo passiert, jeden Tag, jede Minute. Ihn können wir am ehesten als naturgegeben und zum Leben gehörend annehmen, da er anderen widerfährt, die wir nicht persönlich kennen und deren Schicksal es uns meist von unseren tieferen Empfindungen abzuspalten gelingt. Jener Tod kann durchaus politisch sein bzw. politisiert werden. Zweitens ist da jener Tod, der uns persönlich betrifft, wenn jemand oder etwas stirbt, den oder das wir kannten, schätzten, liebten. Jener ist meiner Ansicht nach absolut unpolitisch. Die dritte Art von Tod ist für mich der selbst erlebte, eigene Tod. Über jenen vermuten wir viel und wissen nichts. Ihn vermögen wir wohl zu politisieren, erleben werden wir ihn gleichwohl unmittelbar persönlich.

Wie wirkt der Tod in sozialen Medien?

Ich erlebe den Tod in sozialen Medien unterschiedlich: er geht hie und da viral, während er zur selben Zeit noch immer ein klassisches Tabuthema zu sein scheint. Er markiert eine gewisse, beinahe »natürliche« Präsenz des alltäglichen Newsfeeds, wir scrollen ihm mal eben in Kaffeepausen entgegen und über ihn hinweg. Dabei gelangen wir bei Weitem nicht immer bis an jene Stelle im Bewusstsein, da wir tatsächlich innehalten und etwas empfinden. Etwas, das länger anhält und weiter reicht, als es dauert, die Kaffeetasse in den Geschirrspüler zu räumen und sich zurück an den Arbeitsplatz zu setzen.

Was bleibt von Menschen, wenn sie nicht mehr sind?

Andere, die sie einst kannten und deren Erinnerungen, Lieder, Texte, Zeichnungen, Bilder, Rezepte, Geschichten und Legenden, Notizzettel, nachhallende Worte, Fotos, Ängste, Hoffnungen, Wut, Trauer, Liebe, alle möglichen Arten von Emotionen im Grunde, Moleküle. 

Was bleibt, wenn du gehst? Was geht, wenn du bleibst?

»Was kommt nach mir, das vor mir fehlte und wohin wird dir die Erinnerung im Gehen rutschen, während Gedanken an mich und dich, an uns in alle Richtungen verwehen? Falls du es weißt, behalte es für dich.«

Welches Kunstwerk (Buch, Film, Text, Musik, Bild) drückt den Tod am besten aus?

Der Film Harold and Maude drückt den Tod vielleicht nicht »am besten« aus, jedoch gehört er zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Entsprechend fiel er mir beim Gedanken an Kunst zum Thema Tod als erstes und als letztes ein.

Wie viele Tode kann man sterben?

Bisher kenne ich bloß das Leben. In meiner Vorstellung stirbt jedoch eher der Tod einen als man selbst den Tod. An mehrere glaube ich persönlich nicht, ebenso wie ich nicht an alternative Enden glaube. Nicht wirklich. Nicht in aller Konsequenz.

Welchen Zustand hat der Tod?

Ich weiß nicht, ob Tod einen festen Zustand haben kann. Eigentlich wissen wir Lebenden  so gut wie gar nichts über ihn. Alles was wir wahrnehmen, ist, was er mit uns, die zurückbleiben, macht. Was seine mal schattendaseinsgeprägte, mal mitten dahin, wo es am allermeisten weh tut gezielte, unmittelbare Präsenz mit uns anstellt.

Inwieweit beeinflusst der Glaube/Nichtglaube den Tod?

Ich glaube, er beeinflusst viel eher das Leben als den Tod. Meiner persönlichen Ansicht nach ist die Furcht vor dem Tod eine der wichtigsten Triebfedern dafür, Rat und Halt in einer wie auch immer gearteten Form von Glauben zu suchen. Damit meine ich nicht nur Religion, sondern alle Arten von Vorstellungen, Hoffnungen und Überzeugungen darüber, was passiert, wenn man stirbt und was danach kommt oder auch nicht.

 Was bedürfe einer Änderung in der Welt bevor man geht?

Für mich bedeutsame Änderungen in dieser Welt sähe ich auch nach meinem Tod gerne (…wenn ich sie denn sähe).

 

Danke für das Interview.

Emma denkt auf Facebook.

Emma denkt hat auch einen zauberhaften Blog.

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