Posted in Projekt [Parablüh]

#Ach, Sylvia

#Ach, Sylvia Posted on 18. Juni 2017

Meine tägliche Lyrikanalyse betrifft diesmal zwei Gedichte besonders: A Winter Ship von Sylvia Plath und Ach, Sylvia von Cornelia Travnicek. Plath beweist in ihrem Gedicht wieder einmal, wie sehr sie es schafft, alltägliche Sachen (wie etwa das Beobachten eines Schiffes) in etwas wunderbares Lyrisches zu verarbeiten. Besonders ins Auge gestochen ist mir, dass Plath bei diesem Gedicht die 1. Form Plural anwendet, wo normalerweise der Singular ausschlaggebend ist und das Lyrische Ich zumeist einzeln verwendet wird. Ich denke, dass sie mit jemanden anderen einen Ort besucht hat und dies Eindruck auf sie hinterlassen hat. Das Gedicht hat sie geschrieben, als sie mit ihrem Ehemann in Boston lebte und dort unterrichtete. 1959 war für Plath ein hartes Jahr, angedeutet hatte ich das bereits vorab schon mal – ihr Ehemann war zunächst erfolgreicher als sie, sie im Zwiespalt, sie mit ihm zu freuen und daran zu zerbrechen, nicht so erfolgreich zu sein. Ein Gedicht (birthday letters) von Hughes gibt es, dass dazu referiert – sie dürfte an diesem Tag tatsächlich mit ihrem Ehemann unterwegs gewesen sein:

And in came that ice-caked ship,
Fret worked chandelier of lazy crystals
A whole wedding vessel lifted from under
The ocean salt – flash-frozen….
You howled with your sound turned off and your screen dark
For tragedy to go on

Das Gedicht von Cornelia hat diesmal eine Doppelbedeutung. Sylvia, um sich an Plath zu wenden, und Sylvia als Name für ein Schiff. Das Gedicht ist sehr konkret und bildet einen Gegenpol zu Plaths Gedicht, da es äußerst harmonisch ist.  Besonders angetan hat es mir der Vers: In den schlickgrünen Wellen am Bug tanzen Tropfen von schwarzer See.” Ein Hinweis, dass das Schiff womöglich auf der Donau unterwegs ist.

“Sylvia” erlebt viel: Den Herbst, und viele Touristen, die sie benützen, Kinder, die das Schiff beobachten, und zunächst misstraurisch ist, viele Leute, die verschwommene Schnappschüsse machen und dabei sehr glücklich in ihren Erinnerungen sind.

Ebenso kommt das Wort “Äquinoktium” vor und ich habe zwar irgendwas mit “Gleich” zu deuten versucht, musste ich also das Wort nachschlagen. Es meint die Tages- und Nachtgleiche und findet am 24. September, also zu Herbstbeginn statt.

Das Gedicht beschreibt daher sehr gut auch dieses Wehmütige – die meisten Schifffahrtenenden an der Donau mit Ende Oktober, vereinzelt gibt es ein paar Fahrten im Winter. Es wird ruhiger.

Der Zusammenhang zwischen beiden Gedichten sehe ich in der Verbindung zum Schiffthema, als weniger als Ansprache selbst zu Sylvia.

 

Referenzen:

A Winter Ship. The Collossus. S. 72 – 75, hier zu lesen.

Ach Sylvia. Parablüh. S. 37

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