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#Grand View Paliano

#Grand View Paliano Posted on 13. Juni 2017

Grand View Paliano beschreibt ein weiteres Gedicht von Cornelia Travnicek. Das dazu passende Gedicht von Sylvia Plath ist Watercoulours of Grantchester Meadows.

Grantchester meadows beschreibt eine wunderschöne Gegend bei Cambridge und wurde ebenso Gegenstand eines gleichnamigen Liedes von Pink Floyd. Im Gedicht kommen wieder viele Tiere vor, wie etwa Frühlingslämmer, Spitzmäuse, Vögel, Schwäne, Kühe, Wasseratten und Ratten, alles fein beobachtet, welches Tier was macht. Ebenso verhält es sich mit den Pflanzen, die ein großes Bild von dem zeichnen, wie Plath mit dem Thema Tod, Morbität, aber auch dem momento mori umgeht. Dies wird durch die Verse: “While students stroll and sit, Hands laced, in a moony indolence of love, Black-gowned, but unaware” besonders deutlich. Ebenso kann dies gedeutet werden bei “the small shrew chitters form its wilderness of grasheads and is heard”, ebenso werden Eulen gehört – ein Symbol für den Tod, das Plath sehr häufig anwendet.

Grand View Paliano von Cornelia erzählt ein anderes Bild, diesmal südöstlich von Rom im italienischen Paliano gelegen. Der Titel hat mich an Wes Andersons “Grand Budapest Hotel” erinnert, von welchem man ebenso eine großartige Aussicht hatte. Das Gedicht fängt mit der Beschreibung an, wie ein Tag beginnt, und beschreibt die Wälder ringsum, die Farben, die frühmorgens aufwarten und die Käuzchen, die sich schlafen legen – also keine Deutung, die auf den Tod und das Sterben hinweist.

Recht beschaulich mutet die 8000 Einwohner Gemeinde an, wo es leise ist am Vormittag, wo Brot gebacken wird und jeder still und heimlich seinen Beschäftigungen nachgeht. Besonders pittoresk ist die Zeile: “Hier geht eine Allee bis zum Horizont” – wahrhaft vorstellbar und man bekommt Fernweh.

Ich würde kleinlaut behaupten, dass die Autorin bereits in Paliano war, da eine Besonderheit des Ortes die Paliano Festung ist, die als Meisterwerk der Militärarchitektur erzählt. So lässt sich der vorletzte Vers des Gedichtes erklären, der von unzerzausten Schwanzfedern redet. Schwanzfedern, die wohl  als Weiterführung des Drachenschwanzes  gemeint sind, (in italienisch coda di nibbio ) wurden nämlich die Wälle genannt,  die sich rund um die Festung legen, um früher geschützt von Angreifern zu sein.

Als Wink zur Gegenwart finde ich den letzten Vers, der davon spricht, dass arbeitslose Junge Granaten herstellen wollen. Ich dachte dabei an Sokrates und Diogenes, die sich beide sehr für die Bildung der Jugend einsetzten, als Zitat:

»Die Grundlage eines jeden Staates ist die Ausbildung seiner Jugend.«
Diogenes

Eine Jugend ohne Sinn, schärft maximal die Radikalität. Ein sehr schöner, tiefer Wink, im Gedicht.

 

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