Posted in Projekt [Parablüh]

#Präambel

#Präambel Posted on 7. Juni 2017

Präambel heißt das 13. Gedicht in Cornelia Travniceks Gedichteband “Parablüh” und verbindet sich mit dem Gedicht “All the Dead Dears” von Sylvia Plath.

Eine Präambel als feierliche Einleitung für den Vertrag mit dem Tod. Der Tod hat immer etwas Relatives, Morbides, wenn man Material nach dem Tod wird. Zunächst: Material für die Hinterbliebenen – als Materie in Form von Erinnerungen, die zuerst stark sind, dann verblassen, irgendwann verschwinden sogar. Als konkretes Material nach dem Tod für Würmer, Mäuse und Spitzmäuse (wie Plath es in ihrem Gedicht beschrieben hatte: Sie war im archäologischen Museum in Cambridge, wo sie einen Steinsarg entdeckte, der die Skelette von einer Frau, einer Maus und einer Spitzmaus enthält, der Fußknöchel der Frau war aber schon leicht angenagt), so wie es auch in Cornelia Travniceks Gedicht vorkommt. Diese wendet den Gedanken der Nutzbarkeit nach dem Tod an sekundäres Material an in Form von Flöten und Haarnadeln, aber auch als Düngemittel für Pflanzen.

Ein schönes Bild finde ich das mit “Quecksilber beschichtete Glas” – ein giftiges Gefäß, in ihrem Deutungsrahmen wohl eine Urne. Rituale werden m.E. kritisch gesehen, in dem weder Kirchenmusik, noch ein großes Aufgebot am Tod eines Menschen etwas ändern kann.

Besonders spannend find ich die Beziehung, die das lyrische Ich mit der Urgroßmutter, verbrennende Bücher – nicht so sehr auf den Nationalsozialismus bezogen, den auf den Gedanken, dass Bücher wohl schreien, wenn man sie anzündet (und ihnen somit wehtut). Bücher haben schließlich auch Gefühle.

Auch die eigene Sterblichkeit wird in den Raum gestellt, zunächst als primäres Material für Ameisen, die sich daran gütlich tun und den Raum für Vorwürfe als Folge von leeren Versprechungen öffnen. Desweiteren wird die eigene Sterblichkeit verneint, in dem man nun die Nutzung als Material verneint, indem vom bleiernen Anlitz gesprochen wird.

Ein sehr hartes Gedicht, sofern man eine romantisierende Vorstellung von Sterblichkeit und Tod hat, eine tiefe persönliche Auseinandersetzung und nicht bloß eine feierliche Einleitung.

 

%d Bloggern gefällt das: