Posted in Projekt [Parablüh]

#Standbild

#Standbild Posted on 3. Juni 2017

Als heutiger theoretischer Input diente mir Cornelia Travniceks Gedicht “Standbild”, welches mit “Der Koloss” von Sylvia Plath zusammenhängt.

Während es bei Plaths Gedicht um ihren Vater geht, zu welchem sie kein gutes Verhältnis hatte, geht es bei Travniceks Gedicht um den “Vater Staat” und eine Ebene darüber.

Meiner Meinung nach zeichnet sich das Gedicht vorrangig über das Erzählen von Stein und Statue aus. Ausgehend von den Statuen, die man “Ehrenmännern” errichtet, wird versucht zu das Gebilde eines Staates zu kritisieren. Dies sehe ich zu einem im Begriff “Altvordere” und dem Vers “Nichts, als eine Säule bist du” abgebildet – beides für mich ein Hinweis auf eine negative Konnotation. Ebenso werden Statuen beschrieben, die von Vätern zu Großvätern avancieren – ich habe das weniger als Lebenslauf gelesen, denn als die Möglichkeit, von “Vätern der Republik” zu sprechen. Diese Väter werden je nach Epoche neudefiniert, geistige Vätern werden in vita als auch posthum mit Denkmälern geehrt. Diese “Väter” werden häufig als Säulen einer Gesellschaft und ebenso eines Staates definiert.

Ein Staat hat mehrere Funktionen: Verteilungsfunktionen, Schutzfunktionen, als auch eine Rechtsfunktion, wie beispielsweise Freiheits-, Bürger und Grundrechte einzuhalten. Zwei Dinge würden diese Funktionen massiv eindämmen: Anarchie und totale Ordnung.  Ein Staat wird beispielsweise bei falscher Politik auch substituiert – häufig durch Religion oder kompletten Rückzug in das Private – so wie dies in Österreich nach dem Wiener Kongress und der politischen und territorialen Neuordnung Europas ab 1814 der Fall war. Diesen Gedanken sehe ich angedeutet, als Cornelia vom Herrgottswinkel spricht – Gottvater, der mit gemeint wird.

Einen weiteren Vater sehe ich angesprochen, als von “Altas” gesprochen wird. Atlas war der Titan, der die Welt auf den Schultern trägt, ebenso viele Statuen erinnern an ihn. Eine Schmach, die eben formuliert wird mit “nichts mehr als eine Säule bist du”.

Witzig finde ich, dass der Hesperiden-Essig vorkommt, da dieser nur in Österreich verwendet wird. Sehr unsicher bin ich mir mit dessen Deutung – die Hesperiden hüteten den Garten Heras, der goldene Äpfel beherbergt. Diese goldenen Äpfel machen nach Verzehr jemanden unsterblich – so wie dies von manchen Vätern des Staates gewünscht wird. Der Essig von ihnen könnte vergorene Äpfel meinen, die genau diese Fähigkeit nicht haben.  In den Kontext nicht verarbeiten konnte ich den letzten Vers, bei welchem Eulen Gewölle vor die Steinstatue anbringen. Die Eulen dienen womöglich als Symbol für die Redewendung: Jemanden vor die Füße spucken – also, wenn man jemanden nicht ehrt. Gewölle sind Speiballen von von Greifvögeln, die unverdautes Material vom Inneren wieder hervorholt.

Das Einreiben der Statuen mit Taubenkot habe ich metaphorisch betrachtet – für mich steht es für das “Einreiben” mit schlechten Nachreden, ebenso den Vers “dir gefällt wenn etwas abgeht” – als eine Art Schadenfreude, wenn man das “Vaterland” kritisch betrachtet.

Bei Plaths Gedicht denke ich, dass es eine Hommage an den Vater ist, der als Übervater und allmächtige Gewalt avanciert. Dieser wird als selbstgefällig dargestellt, groß, zornig und wütend, und doch möchte das lyrische Ich ihm helfen. Plath erwähnt zumal die “Orestie”- ein Tragödienstück, welches davon erzählt, dass der König Agammnon seine Tochter opfert.

Ohne auf Plaths Gedicht näher einzugehen, sehe ich den Ausgangspunkt in beiden Gedichten das Wort “Vater” , als auch das Wort “Koloss” – der “Koloss von Rhodos” als die mächtigste Steinstatue, die je gebaut wurde und bei Cornelia Travnicek für den Titel “Standbild” verwendet wurde.

 

Referenzen:

//Standbild. Parablüh. S. 19

//The collossus. The collussus. S. 28 – 29. Hier abrufbar.

%d Bloggern gefällt das: