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Bermudadreieck.

Bermudadreieck. Posted on 28. Februar 2017

Es ist wieder einer dieser Tage. Dieser Tag, wo man die Augen nicht mehr aufmachen will, im Bett liegen bleiben, die Arme über den Kopf verschränken und in dieses Bermudadreieck aus Armen, Kopf und Kissen weinen möchte. Wenn ich die Augen aufmache, bist du genauso wenig da wie die Tage zuvor. Du bist woanders, nicht weit weg von mir, und doch unerreichbar. Ich mag die Augen, nicht mehr aufmachen. Ich will mir nicht mehr darüber Gedanken machen, wo du jetzt bist, wenn du nicht da bist. Ich mag, dass du hier neben mir auf der rechten Seite liegst, schlafend, in deiner schlafenden Zuversicht, dass morgen auch noch ein Tag ist, und dass er besser wird als der heutige. Neben mir liegt nur mehr die Verzweiflung, sie hat sich breit gemacht, sie will nicht gehen, sie sagt mir, dass du mich jetzt nicht mehr brauchst. Sie sagt mir, dass du mich nicht magst, dass du das bloß so sagst. Sie sagt mir, dass ich liegen bleiben soll, einfach nicht mehr aufstehen. Meine Trauerdecke erdrückt mich, sie lässt mich nicht mehr atmen. Meine Glieder fühlen sich schwer an, und mein Brustkorb erdrückt mich mit all den unausgesprochenen Gefühlen, die kleinen und die großen, die zwischen der Decke und dem Brustkorb liegen, mein Ding da auf der linken Seite zerquetscht. Herz kann ich das nicht mehr nennen, diesen verkümmerten Klumpen mit Stacheldrahtzäunen herum und Atombomben-Referenzen. Da wirst es auch nicht mögen, ich will es dir nicht zeigen, noch schenken, ich hab keine Kraft für mehr Stacheldrahtzäune, für einen Spontanangriff. Die Wucht, die mich so schlecht umschlingt, hält mich fest, sie schreit mir entgegen, dass das keine verdammte Generalprobe ist, dass das alles echt ist, dass ich sterben werde beim nächsten Krieg. Ich kann dir nicht sagen, dass du mir fehlst, so sehr – bis an den Beginn aller Tage. Beginn, hörst du? Nicht Ende. Ich will kein Ende, ich will nur Anfänge. Jeden Tag einen Anfang, einen Anfang, der mich am Morgen schon zerquetscht. Du musst mir dabei helfen, ich schaffe es nicht, mein eigener Endgegner zu sein. Sei da, berühre meine Fingerspitzen da, an der rechten Hand, wo du liegen solltest. Nimm meine Hand, kämpf mich durch das verdammte Suicide-Level, dass ich ohne dich nie gebongt bekomme. Hol mich aus diesem Bau raus, schmeiß diese verdammte Decke weg, befrei mich von diesem Hundeleben, komm einfach.

 

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