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Most beautiful girl.

Most beautiful girl. Posted on 21. Februar 20171 Comment

Most beautiful girl steht da in deinem Profil. Also nicht nur. Da steht: In love with the most beautiful girl.  Ich sehe dein most beautiful girl, sie lächelt, sie wirkt engelsgleich, du siehst nicht aus wie du selbst. Du lächelst, benommen, so als hättest du dich unter Drogen gesetzt. Du würdest sagen, dass das die Liebe ist. Ich habe dir damals gesagt, dass alle Männer handfeste Trottel sind, wenn sie sich verlieben. Das hast du mir nicht geglaubt. Du sagtest, ein handfester Trottel schickt dir keine Postkarten aus Dubai, goldene, mit ästhetischen Motiven darauf. Was waren wir getrennt. Du warst so oft weg, du musst Karriere machen, du bist immer wieder gegangen, deine Firma aufbauen, in Dubai, in Iran, manchmal auch in Europa. Du meintest, deswegen könne das mit uns keine Zukunft haben, ich bin zu weit weg, du hast schweigend angedeutet, dass das meine Schuld ist, weil ich nie mitkommen konnte. Sie ist doppelt so weit weg von dir, und jetzt postet du so scheiß Kacksprüche, dass Liebe alle Entfernungen überwindet. Du bist derzeit in Südostasien, stellst schöne Fotos online, sagst, dass du dort glücklich bist, mit the most beautiful girl.  Du zeigst stolz ihr neue Tattoo her, eine Eule in schwarz-lila-blau, sie ziert den ganzen Rücken. Du magst eigentlich keine Tattoos, das hast du mir erzählt, an diesem Nachmittag, als über der Gloriette ein Regenbogen entstand.  Das war der Tag, an dem du mir deine Monster gezeigt hast, die kleinen und die großen. Du hattest gezittert, und dich gefürchtet, dass ich gehen werde, weil ich dich für einen fuckin’ Creep halte. Ich hab dir ein paar meiner Monster gezeigt, nicht alle, damit hättest du nie umgehen können und du meintest, wir brauchen jetzt ein Bett oder ein Bier. Wir nahmen beides. Du hast mir damals gesagt, dass du keine Pärchenscheiße willst, du willst diesen ganz Stress nicht, das ganze Offizielle, ich verstand schon. Das war ich gewohnt, die unbekannte Komponente zu sein, immer in diesen twilight, nicht großartig verlangend, einfach da. Eines Tages vielleicht, sagtest du, wenn die Vergangenheit nicht mehr so wehtut. Das Notprogramm für alle Fälle, am Wochenende, fürs weniger einsam sein, fürs Ertragen der Lebensumstände. Ich hab dein scheiß Wandtattoo gehasst. Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum. Pseudopsychologisch, Binsenweisheit, Philosophie aus der Dose. Ich wollte es abmachen, dir ein Kunstwerk hinhängen, in deinen Lieblingsfarben, du hast mich nicht gelassen. Nicht, daran heften Erinnerungen. In deinem Feed sehe ich, du hast da ein neues Bild,  von dir und ihr, in irgendeinem Urlaub, das ganze Wohnzimmer füllt es mit deinem Schreien nach Pseudoharmonie. Es tut weh, dieses most beautiful girl. Es tut weh, zu sehen, wie sie lebt. Ich war kurzzeitig lebendig mit dir, meistens bin ich aber tot. Man sieht, dass sie bis jetzt ein schönes Leben hatte, ein bisschen Liebeskummer, im Gesicht sieht man, dass da maximal eine Urgroßmutter verstorben ist, da ist Leben im Gesicht, nichts Totes, kein größerer Schmerz als aufgeschrammte Knie. Meine toten Augen blicken das an, was du so von dir gibst.  Dich blockieren will ich nicht, dich aus meinem Leben streichen, so als hätte es dich nicht gegeben. Du bist eine Schramme in meinem Gesicht, eine, die mich noch mehr tot macht, ein Umstand, der meine Augen noch leerer und trauriger macht. Ich weiß, wie weh dir meine Augen tun, mein Gesicht. Voll von den unausgesprochenen Schmerzen und Wunden, jede einzeln mit sehr viel Mühe zugefügt. Ich will dir auch so eine Wunde zufügen. Ich kann nur nicht.

 

Bildnachweis.

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