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[review] Die Überglücklichen.

[review] Die Überglücklichen. Posted on 27. Januar 2017

Angenommen, man lernt jemanden kennen, der vorgibt, verdammt reich zu sein, behauptet, die Nummer von George Clooney im Telefonbuch zu haben, den ganzen Tag labert und das in einer psychiatrischen Anstalt mitten in der Toscana. Was ist, wenn die andere schwer depressiv ist, sich das Leben neben will und alles von der Welt gesehen hat? Was ist, wenn sich zwei so Frauen kennenlernen, ausbüxen aus der Anstalt, weglaufen und das größte Abenteuer ihres Lebens damit beginnt? Nämlich die Suche nach dem Glück?

Verrückt sein, nennen es wohl einige, klinischer Befund wohl andere Menschen. Beatrice (Valeria Bruni Tedeschi), eine Frau mittleren Alters gerät durch eine bipolare Störung auf die schiefe Bahn, schadet damit ihren Eltern, ihrem Ehemann und beginnt eine Affäre mit einem kleinkriminellen Macho-Italiener.  Sie treibt es soweit, dass man sie in die Villa Biondi einweisen lässt. Dort malträtiert sie alle und nimmt schlussendlich auch Donnatella (Micaela Ramazotti) unter ihrer Fittiche. Donatella hat ein ganz anderes Naturell als Beatrice. Vom Leben gebrochen, dem Kinde beraubt, ihrer Möglichkeiten ebenso, wird sie in dieselbe Anstalt mit rezidivierenden Depressionen gebracht. Beide freunden sich auf ihre Art und Weise an, bis sie eines Tages beschließen abzuhauen und das Glück zu suchen…

Eine Irrfahrt zwischen Traurigkeit und Übermut, zwischen gestohlenen Autos und Nervenzusammenbrüchen, Besuche bei den unliebsamen Eltern und Raubüberfällen bei dem ein und anderem Ehemann ist alles dabei. Ein Roadmovie der italienischen Art.

Paolo Virzi, der Regisseur des Films, taucht den Film in die sattesten Farben der Toscana, haucht der Traurigkeit italienischen Wein ein und tropft in den Wein die Melancholie. Es ist verdammt noch soviel mehr als ein tragikomisches Roadmovie, es ist die Suche nach dem Sein, die Suche, wie man Traurigkeit wegbringt, die Suche nach den eigenen Fehlern. Das Ertragen des eigenen Daseins, des Verzweifeln, an dem was man laut Gutachten schon erlebt hat.

Der Wunsch “einen Monat lang zu schlafen”, weil man der Welt schon so müde ist, und aufstehen, Schritt für Schritt weitergehen, und nicht aufhören zu kämpfen. Schon klar, dass man dann sagen muss: “Ich will, dass es mir gut geht. Mir reichts immer nur traurig zu sein.”  Verrückt klingt das ganz und gar nicht.

 

Trailer zum Film: Die Überglücklichen

Informationen zum Film: Die Überglücklichen 

 

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