Posted in Allgemein Filmrezensionen

[review] Die Blumen von gestern.

[review] Die Blumen von gestern. Posted on 2. Januar 2017

Totila Blumen ist Holocaust-Forscher. Und Nachfahre bekannter NS-Täter. Mit seiner Vergangenheit nie wirklich abgeschlossen, erforscht Totila die Vergangenheit seiner Vorfahren. Gebrochen mit seiner Familie, die gegenwärtig immer noch als nationalsozialistisch eingestuft werden kann, ist der berühmte Holocaust-Forscher überfordert mit seinem Leben. Wütend und inmitten seiner tiefsten Lebenskrise bekommt Totila die Forschungsassistentin Zazie zur Seite gestellt, welche ihre Großmutter in Auschwitz verloren hat. Dies nicht genug, versucht Totila einen Auschwitz-Kongress im Sinne seines verstorbenen Freundes Orkus nicht zu einem Medienevent verfallen zu lassen. Besonders brisant wird der Film erst, als sich Totila und Zazie näher kommen und durch ihre Forschung feststellen, dass Totilas Nazi-Großvater nicht nur mit Zazies Großmutter  gemeinsam das deutsche Gymnasium in Riga besucht hat, sondern auch für deren Tod in Auschwitz verantwortlich ist…

Der Film zeichnet sich durch vorrangig durch seine wunderbare Färbung ab und den verschiedenen Städten, in denen man gedreht hat. Neben den Einblicken, die man in Riga und dessen alten jüdischen Friedhof, als auch in das alte staatliche deutsche Gymnasium Riga gewinnen konnten, war Wien ein zentraler Knotenpunkt für die Geschichte. In Wien bediente man sich des Flakturms im Augarten, als auch dem Albertinaplatz, der das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus beherbergt. Ganz zentral im Film war auch das Cafe Tirolerhof in der Fürichgasse. Weiters sind Berlin, Stuttgart und New York zu sehen. Schade allerdings ist, dass man keine Genehmigung von Ludwigsburg erhalten hat, wo sie sich die zentrale Aufklärungsstelle nationalsozialistischer Verbrechen befindet. Diese Stelle musste in einem Studio in Berlin nachgebaut werden.

Besonders lobenswert ist die schauspielerische Leistung von Lars Eidinger, der Totila Blumen mimt. Besonders liebenswert wird der Film durch Jan Josef Liefers, der Totilas Konkurrenten Balthasar Thomas mimt, als auch Bibiana Zeller, die die Rolle der demenzkranken Großmutter von Totila spielt.

Der Film entstammt der Feder von Chris Kraus. Dieser wurde für das Drehbuch mit dem Thomas Strittmatter Drehbuchpreis ausgezeichnet. Kein Wunder, die Dialoge sind in den richtigen Momenten bissig und streitbar, in den besonderen Momenten leise und verletzlich. Ein frischer, oft kalter Wind, der in die Vergangenheit der NS-Zeit bläst und Lachmuskeln genauso bedient, wie die Tränendrüsen.

Der Film erscheint am 12. 01.2017 in den deutschen und am 13.01.2017 in den österreichischen Kinos.

Link zum Film: Die Blumen von gestern

Link zum Trailer: Die Blumen von gestern

 

Bildnachweis