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Review // Bauer unser

Review // Bauer unser Posted on 13. November 2016

Ein kritischer Blick wirft der Regisseur Robert Schabus auf die heimische Landwirtschaft. Bauern sollen schneller, ökonomischer und billiger produzieren. Der Film wirft die Frage nach dem Wert von Lebensmittel auf, die Patt-Situation zwischen dem Milchpreis und Mineralwasser, das teurer ist. Die Botschaft: So kann es nicht weitergehen.

Heimische Bauern suchen ihr Heil in der Expansion ihrer Betriebe, ein Wettkampf um mehr Pachtgründe, mehr Technologie, mehr Gewinn. Aufhorchen lässt ein Bauer, der erzählt, dass er sogar etwas bezahlen muss, um seine Schweine liefern zu dürfen. Ein anderer wiederum spricht von einem glücklichen Leben der Hühner, wenn sie per 18 Stück auf einem Quadratmeter zusammen leben “dürfen”.

Ein Interview mit Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter gibt Aufschluss darüber, dass die Intention dahingehend verläuft, Österreichs Lebensmittel für den Weltmarkt wettbewerbsfähig zu machen. Auch die Ausbildung der jungen Menschen wird kritisch beleuchtet – längst haben Interessensvertreter Einfluss auf die Bildung im Land  und wollen ihren Einfluss geltend machen.

Gegenentwürfe werden in Form von Direktvermarktung und Kleinbetrieb gezeigt, diese machen in Österreich nur mehr 2% der heimischen Landwirtschaft aus. Die Conclusio daraus ist vor allem eine neue Achtung für das Essen und Trinken zu haben. Dieser Trend gehe so laut dem Film vor allem von städtischen Menschen aus.

Ing. Josef Braunshofer, Geschäftführer der Berglandmilch GmbH, weist darauf hin, dass der Neoliberalismus das geringere Übel im Vergleich zu geordneten Märkten ist. Das sei vor allem aus an den ehemaligen Oststaaten zu beobachten.  Dass viele Bauern dem Neoliberalismus unkritisch gegenüber stehen und daher in Nöten kommen, weil das Gebot von Angebot und Nachfrage wenig verstanden wurde, ist eine weitere Erkenntnis, die die Dokumentation zulässt.

Ein Aufruf zum nachhaltigerem Wirtschaften mit dem System möchte die Dokumentation sein. 40% der weltweit produzierten Kalorien gehen auf dem Weg zwischen Produktion und Handel verloren. Ohne radikale Umstellungen würden sich 12 Milliarden Menschen ernähren lassen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), wenn nur der Wille für eine gerechtere Aufteilung und kleinflächiger Landwirtschaft möglich wäre.

Interessant zu sehen, wie beschämt die heimischen Bauern nach der Dokumentation aus dem Kino kamen. Voller Schmach, dem Neoliberalismus so derart auf dem Leim gegangen zu sein, Weltzerstörer zu sein, in dem man den Regenwald abholzt, damit man Futter für die heimische Fleischproduktion hat. Ein Hinweis zu billig zu produzieren, zu viel qualitätsloses Fleisch zu konsumieren. Ein Weckruf, in einem ganz unaufgeregtem Ton, gegen das System aus Zwängen und Abhängigkeiten, auf den die offizielle EU-Propaganda hinarbeitet.

 

Hier gehts zum Trailer: Bauer unser

Bildnachweis

 

 

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