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Review: holz erde fleisch.

Review: holz erde fleisch. Posted on 22. September 2016

holz erde fleisch ist ein Dokumentarfilm der bereits im Juni in kleineren Programmkinos zu sehen war und von drei Bauern handelt, die jeweils einen Bereich des Titels brachial, manchmal mit ein wenig bäuerlicher Romantik personifiziert darstellen.

Höchst unangenehm beginnt der Film mit einer selten da gewesenen Stille, die das Schlachten eines Schafes mit dem Schlagbolzen und dem Ausbluten des Tieres zeigt. Wenig geschont wird bereits hier verdeutlicht, welche Grundmotive der Film beherbergen soll, wie hart und unbeugsam manch Mensch in der Landwirtschaft zu arbeiten hat. Herbert Lang, der für das Fleisch in der Dokumentation steht, zeigt eine zerrissene und breitgefächerte Persönlichkeit, die vom schwierigen Verhältnis zum Vater und zum komplizierten Alltag mit einer Vegetarierin zu berichten weiß.

Ein Ausgleich dazu schafft Martin Gerstorfer, der nach mehreren Jahren in Australien die elterliche Forstwirtschaft übernommen hat und ein momento mori anhand von Bäumen immer wieder herbeizaubert. Er bricht eine neue Dimension auf mit dem Gedanken, etwas zu schaffen, von dem man selbst nie etwas haben wird, dass Bäume die sichtbarste Komponente von Vergangenheit sind. Fast schon romantisch anmutend sind die Schlussszenen von Martin und seiner Tochter Mia, die gerade kleine Setzlinge pflanzen und den herbstlichen Wald genießen.

Wenig in Genuss kommt der Gemüsebauer Matthias Hertl, der im Weinviertel vorrangig Kartoffeln anbaut und gern über Menschen mokiert, die keine violetten Kartoffeln kennen. Besonders vorrangig ist hier die Dimension Zukunft, die der Vater in Form von Ängsten und der geringen Begeisterung des Sohnes Dominik für die Landwirtschaft kundgetan wird. Der Vater dient als Mahnmal für das Aussterben kleinerer Betriebe in Österreich.

Interessant ist die Fußnote immer hin zum Grundbesitz, der für jüngere Generationen eine geringere Rolle spielt, als dies noch bei den Vorgängergenerationen der Fall war.

Sigmund Steiner (Baujahr 1978) arbeitet damit seine bäuerliche Vergangenheit auf. Seine Bilder zeigen die Landwirtschaft in Außenaufnahmen, lassen aber tief in das Innere blicken. Die eigene Geschichte wird in kargen Worten wider gegeben und lassen einen nachdenklich werden. Die Dokumentation gilt als Essay für all jene, die Selbiges aufgrund ihrer landwirtschaftlichen Sozialisation erlebt haben und lädt all jene zum Denken ein, die weit weg der Agrarwirtschaft leben.

Eine wichtige Dokumentation, die schöne Bilder und gut genutzte Töne gefunden hat. Nicht unverdient ist der Preis als beste Dokumentation der Diagonale.

 

Hier gehts zum Trailer.

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