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Review:: Unterwegs mit Jacqueline

Review:: Unterwegs mit Jacqueline Posted on 26. August 2016

Jacqueline ist Fatahs größter Stolz – Jacqueline ist wohlgemerkt eine Kuh, die mit ihrem Besitzer in einem algerischen Dorf ein ödes Leben fristet. Dies ändert sich schlagartig, als Fatah mit seiner Kuh nach Paris zur Landwirtschaftsausstellung und zum Rinderwettbewerb eingeladen wird. Mit Unterstützung seines Dorfes reist Fatah das erste Mal in seinem Leben nach Frankreich und macht sich per Pedes auf nach Paris. Ein Abenteuer der Sonderklasse beginnt, von Backpacking bis hin zu Verhaftungen erlebt Fatah Einiges auf seiner Reise und es scheint ungewiss, ob er je in Paris ankommt…

Die französische Komödie besticht durch Warmherzigkeit und Tollpatschigkeit der Protagonisten. Fatah erinnert etwas an den alten Louis de Funés, und Fatsah Bouyhamed wird dieser Rolle mehrfach gerecht. Komplementiert wird der Film durch die Schauspieler Lambert Wilson, der einen pleite gegangenen Graf mimt und  Jamel Debbouze, welcher den lauten und polternden Schwager Hassan spielt. Es bilden sich somit Rollen heraus, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

„La vache“ wie der Film auf französisch heißt verdreht Stereotypen und bildet doch wieder welche: der Film geht von Menschen aus, die allesamt muslimischen Glaubens sind und führt nebenbei die Religionsdebatte ad absurdum, als Fatah das erste Mal eine Kirche betritt und mit einer gefälschten Swatch Muezzinrufe ertönen lässt, zum ersten Mal Alkohol trinkt und dem „Willi“ die Schuld gibt und einen Liebesbrief als funktionaler Analphabet schreiben will.

Besonders nett erweisen sich die Details im Film: Der lockere Umgang mit Depressionen, Schnurrbartfernsehen, Gmundner Keramikhäferl in Paris und der Zeitgeist, der durch Facebook und Twitter ebenso Eingang gefunden hat, wie bereits der legendär gewordene Film „Ich und die Kuh“. Lobenswert ist die positive Einstellung bezüglich Algeriens, die sich durch den ganzen Film zieht und sogar Lust auf eine Reise macht.

Eineinhalb Stunden im Kino, die sehr kurzweilig sind und die Lachmuskeln ordentlich strapazieren, wenn es manchmal auch etwas banaler Slapstick ist.

Hier geht zum Trailer: Unterwegs mit Jacqueline

 

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