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Bis bald.

Bis bald. Posted on 21. August 2016

Immer diese leeren Verabschiedungen, wenn du deinem Gegenüber ein “Bis bald, ruf mich an”, oder ein “Bis später” in den Mund küsst. Dann diese Höflichkeit folgend, dass es schön war, ja, dass es bald einer Wiederholung bedürfe, dass man sich bald wieder sehen müsse, unbedingt oder zumindest anrufen. Nicht mehr über Verabschiedungen sagen,  weil alles immer nur hohle Phrasen sind, niemand sich je wieder meldet und dieses “Bis bald” groß im Raum steht, immer größer wird und dann wie ein Luftballon auf Überdruck zerplatzt. Sag nicht mehr “Bis bald”, wenn du “Auf Nimmerwiedersehen” meinst, will ich dir hinterher rufen und nichts mehr in den Mund küssen und nichts mehr auf Wangen küssen, schon gar keine leeren Versprechungen mehr.

Was ist das für ein Unding mit Verabschiedungen will ich dich fragen, wo man etwas anderes meint als man sagt und wieso tut man das, höre ich mich fragen, leise im Kopf und nicht dich, obwohl du gegenüber stehst und auf deinen Füßen umher trampelst und verwegen grinst und dann bald ein “Ich muss los” auf den Gehsteig kotzt, statt mir zu sagen, dass ich dich ankotze. Man kann ja nicht sagen, dass man sich die Höflichkeit sparen kann, und sich nicht verabschieden, das wäre viel ehrlicher, nämlich, in einer Bar zu sitzen, was zu trinken und bloß ein “Ich geh jetzt” in den Raum zu werfen, ohne Verheißungen und Lobgesänge auf Abende, aufzustehen, zu gehen und sich nicht mal umzudrehen, einfach gehen und getan haben, was man tun musste und keine Luftballone produzieren, wenn man Angst hat, dass es knallt. Ich mag dir auch eine knallen, mitten ins Gesicht, so dass du rot bist, weil du dieses “Bis bald” ausgespuckt hast, statt runtergeschluckt und was tust du mir das an, will ich dir fragen. Das weißt du nicht, weiß ich mich jetzt schon wissen, aber irgendwie muss man sich ja verabschieden, nur kennst du das bloß temporär. Sich verabschieden, als würde man bald sterben, das wäre wohl das Ehrlichste irgendwie, nur bringst du das nicht über das Herz. Dein Herz ist diesbezüglich eine Hafenkante, ein “Bis bald” fällt nicht in das Meer der Endgültigkeit, höre ich mich sagen, im Kopf natürlich, während ich bloß ein “Ja, bis bald oder so” dir auf deine Hafenkante spucke.

Dieser ganze Gehsteig ist schon so vollgekotzt von den ganzen Verabschiedungen, und auch die ganzen Bahnhöfe, danach riecht es nämlich immer, das ist der Geruch von leeren Verabschiedungen. Einmal bin ich gegangen, einfach so, ich hab einem Kerl ein “Ich geh dann” in die Lederjacke gekuschelt und das wars dann. Das war weniger schmerzhaft, will ich dir sagen und steck dir noch ein “Danke. Schön wars” in dein Haar, bevor ich die Tram nehme, irgendwohin, weg, bis du mich vergessen hast. Eigentlich wollte ich dir sagen, dass du sagen musst “Auf Immerwiedersehen” und das dann so meinen, aber nur wenn du das wirklich so meinst und dann zum Schluss statt “Auf Wiedersehen – Our feet are the same” zu sagen, aber nur wenn du das so meinst. “Bis bald” hauche ich der Scheibe ein, sie hat mich schon vergessen.

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