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Ab Grund tief.

Ab Grund tief. Posted on 14. März 20152 Comments

Alles was ich sage, kannst du nicht hören. Es ist tief da, da wo du nicht bist. Den ganzen Tag erzähle ich dir Belanglosigkeiten, im großen Gegensatz zu dem, was tief schlummert. Du denkst, dass ich die meiste Zeit bei dir bin, aber das stimmt nicht. Die meiste Zeit bin ich ganz woanders. Ich bin da, wo du nie hinkommen wirst, weil ich dich nicht lasse. Ich verschränke die Arme und blockiere den Weg durch die Augen, du siehst bloß, wenn ich vor mich hinstarre, meine Augen, die geballt auf den Boden blicken. Ich habe Angst, das weißt du. Aber nicht wovor. Mittlerweile hast du den Kampf aufgeben, zu erfahren, wo ich bin, wenn ich kurz weggetreten vor mich hinstarre.

Wie viel du davon in der Nacht mitbekommst, weiß ich wiederum nicht. Ich denke, dass du hörst, wenn ich im Schlaf weine oder angsterfüllte Formeln vor mich hin brabble, wenn ich wieder mal wild um mich schlage und keuchend im Bett liege, wenn mich ein Albtraum quält. Meine Träume kommen da hin, wo du nie bist. Es ist kalt und dunkel da, wo ich immer bin. Ich will dir das nicht zeigen, niemand geht gerne dorthin, wo ich immer flüchten muss, zum letzten Ort meiner vermeintlichen Sicherheit. Hier unten ist es hoffnungslos, ich sehe meine Ängste, meine unerfüllten Träume, meinen Hass auf das, was ich nicht ändern kann. Ich fühle die herannahende Apathie und habe noch mehr Angst, dass es mich dort oben, an der Oberfläche, wo immer alles gut sein muss, einholen wird. Meine Ängste lachen dich aus, wenn du wieder einmal zu mir sagst: „Sei nicht so negativ, das gibt sich schon“ und der tiefe Abgrund in mir und ich wissen, dass es nicht so ist. Manches gibt sich eben nicht, und so verzweifle ich an der Felsenlandschaft in mir und dem was ich sein muss, damit du bleibst. Die Ängste schließen schon Wetten ab, wie lange es dauern wird, bist du gehst. Ich hab Angst, dass du fliehst und ich den ganzen Tag dort verbringen muss, jetzt, wo du es schaffst, manche Stunden mich aus dem Loch in mir herauszuholen.

Dann antworte ich dir feige: „Ja, bestimmt gibt es sich schon, I have to stay positive, you´re right“ nur damit ich dir keinen weiteren Grund liefere, auf dauerhafte Reise zu gehen und mich alleine zu lassen. Ich rede mir dann ein, dass der Abgrund in mir das Einzige ist, dass mir Sicherheit bietet, meine Ängste kenne ich. Ich kämpfe gegen sie, und versuche manchmal, dir einen Schritt in Richtung Eingang zu gewähren. Doch die Angst wird immer größer, sobald du näher kommst. Die Gefahr ist zu groß, dass du damit nicht leben kannst, was tief unten in mir ist. Es bringt mich immer ein Stück um, wenn Menschen einfach gehen. Es ist eine Frage der Zeit, ob ich mich der Zeit erleidige oder sie mich. Du wirst mir auch nicht helfen können, ich will das auch nicht. Ich müsste das alleine schaffen. Aber ich weiß, dass ich irgendwann darin ertrinken werde, es ist ab Grund tief.

[.txt*] ist ein grandioses Projekt von Dominik Leitner. Jedes Monat betritt ein neues Wort die Bühne, dass verlangt, schriftlich aufgeführt zu werden. Das inszenierte Wort für diesen Monat ist abgrundtief. Die anderen wunderbaren Beiträge sind hier zu finden: weitere Beiträge.

2 thoughts on “Ab Grund tief.

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